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		<title>Weihnachts Blues</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Dec 2011 20:47:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>neuneinhalb Finger</dc:creator>
				<category><![CDATA[piano]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist ja selten, dass ich beim Spielen schon einen Namen im Kopf  habe. Es ist noch viel seltener, dass ich dann danach auf sinnvolle Namen komme. Diesmal schon: Der Weihnachts Blues. Zu mindestens ein wenig so, wie ich Blues verstehe. Als Bild sei vielleicht noch eine kleine Geschichte aus dem Familientagebuch mit auf den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist ja selten, dass ich beim Spielen schon einen Namen im Kopf  habe. Es ist noch viel seltener, dass ich dann danach auf sinnvolle Namen komme. Diesmal schon: Der Weihnachts Blues. Zu mindestens ein wenig so, wie ich Blues verstehe. Als Bild sei vielleicht noch eine kleine Geschichte aus dem Familientagebuch mit auf den Weg gegeben.</p>
<p>Man stelle sich Heiligabend vor. Und dazu einen kleinen Bruder. Und einen großen und einen mittleren. Alle drei zusammen eine geballte Ladung an Eigenheit. Zu mindestens so viel Eigenheit, dass der Mittlere sich überlegt, also wenn schon Bescherung, dann doch bitte wie an Ostern, so mit Geschenken suchen und allem (dieser Ansatz ist auch absolut nachvollziehbar aus der Perspektive des Mittleren betrachtet, das nur nebenbei!). Und auch wenn er sich sehr viel Mühe gemacht hat, dass kann dann doch zur Kollision mit Bildern anderer von einer weihnachtlichen Bescherung führen. Evtl sogar so sehr, dass man sich als kleiner Bruder in das kleine Bad einsperren muss, um auf wenigen Quadratmetern sein Weltbild wieder gerade zu biegen. Ich glaube mich zu erinnern, dass es das Bad in diesem Fall ziemlich unbeschadet überstanden hat. Es schadet aber auch nicht, so für die passenden Musikhintergrundbilder im Kopf, sich dabei ein völlig zerlegtes Badezimmer vorzustellen. Notfalls einen Supermarkt in der Weihnachtsabteilung.</p>
<p>In solchen Situationen hat man wohl den Weihnachtsblues. Dachte ich mir, und fand es ungemein passend.</p>
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		<title>Unterwegs</title>
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		<pubDate>Tue, 29 Nov 2011 01:31:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>neuneinhalb Finger</dc:creator>
				<category><![CDATA[leben]]></category>
		<category><![CDATA[unterwegs]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich mag losfahren nicht. Weil ich schwer loslassen kann, vor allem von meinem Frieden mit dem Alltag. Weil es so viel gibt, an das man noch denken könnte, bevor man losgeht. Ich bin enorm schlecht darin, etwas einfach liegen zu lassen, unerledigt, es einfach warten zu lassen. Mit jedem Jahr muss man mehr akzeptieren, dass man [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich mag losfahren nicht. Weil ich schwer loslassen kann, vor allem von meinem Frieden mit dem Alltag. Weil es so viel gibt, an das man noch denken könnte, bevor man losgeht. Ich bin enorm schlecht darin, etwas einfach liegen zu lassen, unerledigt, es einfach warten zu lassen. Mit jedem Jahr muss man mehr akzeptieren, dass man nicht darum herum kommt, etwas liegen zu lassen, etwas zu vergessen. Das endete bei mir darin, dass ich nun dreimal schaue, ob ich das Fenster zugemacht habe und es vor der Tür schon nicht mehr weiss, ob ich das Fenster wirklich zugemacht habe. Weil ich all das, was man nur bei sich hat, schon so schwer überschauen kann. Zwei Feuer, viel zu viele Schlüssel, ein Geldbeutel, Tabak, Papierchen, Bonbons, Taschentücher, Mobiltelefon, Rucksack, Wasser, Computer, Ladegerät, USB Stick, Mütze, Jacke, Schuhe… und das ist mehr oder weniger nur die Grundausstattung. Ich kann Menschen verstehen, die nackt mit Jacke und Schuhen aus der Haustüre treten, sie haben meine volle Sympathie. Ich hoffe nur, dass ich mir das bis zur Demenz erspare…</p>
<p>Es gibt Menschen, die sind an dem Punkt wirklich komplett anders. Sie vergessen einfach alles und wissen das Glück auf ihrer Seite, zu mindestens in vielen Fällen. Zu mindestens erzeugt ihr Handeln diesen Eindruck. Mir bleibt da nur das Staunen, das stille Staunen. So habe ich zu mindestens sehr schnell gelernt, dass ich nur sehr selten zu den Menschen gehöre, die zu einem Zug rennen, noch weniger, hinter ihm her renne, während er schon losgefahren ist. Man findet sein Arrangement mit sich.</p>
<p>Ich habe nichts gegen das Fahren an sich, noch weniger gegen das Ankommen. Ich mag das Rauschen der Gedanken, während Bäume, Felder und Wissen an einem vorbei ziehen. Ich mag es sehr, wenn ich dabei in mir versinken kann, wenn man es schafft, seine Gedanken mitreisen zu lassen, anstatt sie zu Hause zu lassen. Ich hatte aber nie diesen RoadTrip Moment, indem man unbedingt ganz laut die Musik aufdrehen muss, weil gerade dieses eine Lied im Radio läuft. So ein Freiheits Moment Bild. Das klebt auch eher an dem Fortbewegungsmittel Automobil. Ich bin da ein verdammt schlechter Beifahrer, absolut ungeeignet für das Freiheitsempfinden in einem Auto. Ich hatte das nie, das ist ein blinder Fleck in meiner Biografie. Und inzwischen bin ich sowieso absolut ungeeignet dafür, könnte ja etwas passieren, während man da so ausflippt. Und frei fühle ich mich auch so gar nicht in einem Auto. Während man dann Beton Kilometer für Beton Kilometer dahin rasst und beim Überholen für einen kurzen Augenblick in all diese deutschen nach Freiheit schreienden Gesichter schauen kann. Ich würde das jedem Touristen in Deutschland nur empfehlen: Einen Spaziergang in einer Vorstadt und eine Fahrt über eine beliebige deutsche Autobahn. Es gibt wohl kaum weniger Augenblicke, wo man so ungemein tief in das Innerste von Menschen schauen kann. Danach hat man wenigstens auch darin Klarheit, dass wir wohl definitiv eher vom Affen abstammen, als von Gott geformt zu sein.</p>
<p>Und normalerweise schlafe ich nicht im Auto. Ich muss schon sehr fertig dafür sein, und zu lange in fremde, zum großen Teil leblose Gesichter geschaut haben. Oder ich hänge mit meinen Gedanken noch wo anders fest. Dann zähle ich Bäume oder die weis/schwarzen Pfeiler am Rand, systematisch immer im gleichen Abstand stehen, wahrscheinlich auf cm genau. Es ergibt sich auf jeden Fall ein sehr langsamer Beat daraus, der sehr einschläfernd sein kann. Und man hat sich immer wieder verzählt, wenn die kleinen Kilometeranzeigen kommen. Dann bleibt noch Stadt Land Fluss und Kennzeichen Raten in Gedanken zu spielen, angefangen bei den Städten. Gegen das Einschlafen, um sich wach zu halten. Sinnlose Beschäftigung, um die Kilometer zu überbrücken.</p>
<p>Ich war entsetzlich müde und hing bei Q oder V fest, mir wollte keine Stadt einfallen und überlegte, ob ich dich nach langen Schweigen fragen sollte, ob dir dazu etwas einfällt. Ich weiss nicht mehr, ob ich dazu kam. Ich kann mich nur daran erinnern, dass du aus langen Schweigen heraus gefragt hast, ob ich dich damals denn geliebt hätte. Und ich hing immer noch bei Q und hatte große Mühe, mich darauf zu konzentrieren. Schon wieder hatte ich dabei versagt, diesen RoadTrip Moment abzustauben. Mir fiel nämlich so ziemlich genau nichts ein, was ich hätte antworten können, geschweige denn etwas gegen die Flut von Gedanken zu machen, die von links, rechts, oben und unten auf mich einschossen. Ich sagte dann erstmal nichts und schwieg, um für meine dumme Antwort Zeit zu schinden. RoadTrip wäre wohl ein: &#8220;hmm, schon ein wenig…&#8221; gewesen. Konsequentes Schweigen wäre am Ende auch noch passenderes, als das Gestammel, das ich dann von mir gab. Und wenn uns irgend ein Tourist in dem Augenblick überholt hätte, er hätte wohl in so ein Vorfahren-Gesicht geschaut…</p>
<p>Das Leben ist schon ein wenig, wie es in den Hollywood Filmen gezeigt wird. Man muss nur zwei beliebige Filme übereinander legen, und würde ziemlich nahe dran sein an der &#8220;Wirklichkeit&#8221;. Die Wahrscheinlichkeit, einen gemeinsamen RoadTrip Moment abzustauben ist aber dann wohl doch eher gering.</p>
<p>Ich weiss auch gar nicht, ob es gut ist oder war, all die Illusionen vom Christkind bis hin zur Liebe zu zersetzen. Illusionen sind schon hilfreich, bei Gesprächen, beim Miteinander Leben und all dem. Es ist schon eher penetrant unerträglich, sich vor Augen zu halten, welch unterschiedlichen Filme bei Menschen ablaufen. Aber wäre Liebe am Ende nicht so etwas, wie die Fähigkeit, all die Gedanken auszuhalten und ertragen zu können, die ein anderer hat oder hatte, in all der Zeit, in der man zusammen ist/war (oder nicht)? Ziemlich unerträglicher Gedanke an sich, aber da wo es weh tut, ist es nie verkehrt. Zu mindestens kommt das der Sache schon näher als was man &#8220;damals&#8221; unter Liebe meinte verstehen zu können (und man wird an dem Punkt bestimmt nur &#8220;schlauer&#8221;).</p>
<p>Man sollte nur den Spass nicht daran verlieren, sich von den Gegensätzen amüsieren zu lassen. An sich ist das ganz großes Kino. Und würde ich jemals einen RoadTrip Movie drehen dürfen, dann würde ich diese Szene darin unterbringen, zwei Deutsche, so ganz romantisch und verträumt. Sie: &#8220;hast du mich eigentlich damals geliebt?&#8221; Er mit der spontanen Antwort, nachdenklich und ohne jeden Zweifel in der Stimme: &#8220;Keine Ahnung, aber weisst du ne Stadt mit Q?&#8221;.</p>
<p>&#8220;Quedlinburg&#8221;.<br />
Und man sieht das Auto friedlich in den Sonnenuntergang fahren.</p>
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		<title></title>
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		<pubDate>Mon, 10 Oct 2011 03:00:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>neuneinhalb Finger</dc:creator>
				<category><![CDATA[mac]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor ca 17 Jahren kaufte sich mein Vater eine neue Schreibmaschine. Die davor konnte Texte auf eine Diskette speichern und wieder von ihr laden. Mehr konnte sie nicht, war also als Spielgerät höchst ungeeignet. Das Menü hatte man recht schnell erforscht, schreiben war wiederum nicht so die interessante Sache, das überließ man dann doch lieber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor ca 17 Jahren kaufte sich mein Vater eine neue Schreibmaschine. Die davor konnte Texte auf eine Diskette speichern und wieder von ihr laden. Mehr konnte sie nicht, war also als Spielgerät höchst ungeeignet. Das Menü hatte man recht schnell erforscht, schreiben war wiederum nicht so die interessante Sache, das überließ man dann doch lieber dem Vater. Die neue Schreibmaschine kam in mehreren Teilen. Ein Bildschirm, eine Pizzaschachtel, ein Drucker, die eigentliche &#8220;Schreimaschine&#8221; und ein Gerät, das man an die Schreibmaschine anstecken konnte und das einen beweglichen Ball auf der Unterseite hat. Und auf all diesen Teilen war ein (meist) bunter angebissener Apfel als Logo eingelassen. Vor mir stand also eine Apple Schreibmaschine und bis heute frage ich mich, wie es eigentlich genau dazu gekommen war, dass es eine Apple Schreibmaschine wurde. Sehr, sehr wahrscheinlich ist das aber einfach nur ein dummer Zufall, der Vater beim falschen Kollegen, der sich das aller neueste Schreibgerät gekauft hatte und seine alte Apple Schreibmaschine loswerden wollte. Also packte er meinem Vater alle Teile und zusätzlich all die Bücher, Handbücher, die er dazu hatte, in eine Kiste und gab sie meinem Vater mit. Keine Ahnung, wie sehr der Geldbeutel meines Vaters dabei geblutet hatte, aber mein Vater hatte wohl noch genügend kindlichen Spieltrieb in sich und wohl beim Anblick des neusten Spielgerätes des Kollegen selbst genug Blut geleckt. Ausserdem sollte man ja damit noch viel toller Text schreiben können.</p>
<p>Da stand er nun, der Apple Macintosh LC III, 4 MB Ram, 40 MB Festplatte und 25MHz. Und wenn man das dicke Handbuch soweit studiert hatte, dass man wusste, wie man all Teile miteinander richtig verbindet, dann konnte man den Einschaltknopf drücken und auf dem Bildschirmteil erschien ein kleines grinsendes Computergesicht. Kurz darauf, keine 5 Sekunden später sah man eine bunte Oberfläche mit Schrift und Icons.</p>
<p>Ich weiss nicht mehr, wie lange es brauchte, um die Maus als Maus kennenzulernen und zu benutzen. Irgendwann später hatte ich noch einmal das Tutorial entdeckt, dass dem Computer beilag und auf dem genau erklärt wurde, was eine Maus ist und die mit Übungen trainierte, wie man sie richtig benutzt. Das alles noch in schwarz und weiss, als interaktiver &#8220;Film&#8221;. Denn die neue Schreibmaschine, die war viel mehr als eine Schreibmaschine, das war mir wohl ab dem Punkt des lächelnden Computergesicht schon klar gewesen. Die folgenden Tage und Woche verbrachte ich mit all den Handbüchern, eines davon zu Ragtime (ja, die Software gibt es immer noch). Ich lernte Tabellenkalkulationen ohne das ich eine Ahnung hatte, wofür man das überhaupt brauchen könnte. Aber irgendwann konnte ich tolle Tortendiagramme aus Tabellen erzeugen und versuchte meinem Vater davon zu überzeugen, dass er solch schicken Tortendiagramme doch wirklich in seinem Kirchenboten einbauen müsse, damit könne man ganz toll Zahlen präsentieren. Mein Vater winkte zwar ab und schüttelte vergnügt den Kopf, aber ich bin mir bis heute sicher: würde es mehr Torten,- und Balkendiagramme in Kirchenboten geben, müsste sich die Kirche nicht über so viele Austritte beschweren. Man müsste das nur als Kampagne fahren, wir schaffen noch weniger Austritte in diesem Jahr, daneben ein sinkendes Verlaufsdiagramm. So was wollen Menschen sehen, das gibt ihnen ein gutes Gefühl!</p>
<p>Um die Tortendiagramme kam mein Vater wohl noch herum, nicht aber, selbst das Handbuch im Urlaub zu lesen, um ein bisschen zu verstehen, wie sein Texteditor überhaupt funktioniert und was man damit alles so machen kann. Ja, der liebe Computer, der einem all die Arbeit abnehmen soll, versaut einem den Urlaub, weil man dann nachts von Fettdruck und verschiedenen Schriftformatierungsmöglichkeiten träumen muss. Ich wiederum mochte meinem Vater ab da an am meisten, wenn er sein Büro nicht brauchte. Dann war es Zeit, das Gerät zu erforschen und all das auszuprobieren, was man damit so anstellen konnte. Auch wenn man nicht wirklich an einem Mac spielen konnte, es gab dann doch Civilization. Nur funktionierte der Cheat nicht, also musste man die Weltherrschaft über viele Tage hinweg erringen. Und mit Civilization war auch das Ende der LC III Ära eingeläutet. Denn mit jedem Tag mehr wurde mir klar, dass ein toller neuer Mac her musste. Ich feilte also tagtäglich an meinen Überzeugungskünsten, bis ich eine unerträgliche Penetranz entwickelt haben muss, die ausreichte, meinen Vater zur Bank und dann gemeinsam zu Gravis fahren zu lassen. Immerhin, es gab einen Mac Store in Nürnberg, direkt am Hauptbahnhof, mit einem großen Regenbogen Apfellogo am Gebäude (das hing dort übrigens noch Jahre lang, bis es mit Gravis den Bach runter ging).</p>
<p>Es war ein Perfoma 5200. Der hatte 75MHz und mehrere hundert MB Festplatte und ein CD Rom Laufwerk. Und die Kiste hatte ein eingebautes 14.400 Modem! Der Scanner, den mein Vater zusätzlich gekauft hatte, wollte nicht funktionieren, und irgendwo im Handbuch stand, dass man sich auf eine Mailbox einwählen könne und dort den aktuellen Treiber herunteladen könnte. 3 Tage und einige Auslandstelefonaten später hatte ich dann den aktuellen Treiber und mich das erste Mal auf einer Mailbox bewegt. Das war interessant aber so richtig Klick hatte es noch nicht gemacht. Klick hat es dann mit der ersten Compuserve CD gemacht. Auf einmal war man nicht mehr alleine auf einer kleinen Mailbox, sondern auf einer sehr großen Mailbox, in bunt und mit vielen Menschen darin, mit denen man sogar kommunizieren konnte. Von meinem Konformationsgeld kaufte ich mir für 900DM einen CD Brenner. Mein ersten 5 Rohlinge kosteten 50 DM, zwei davon hatten dann einen Schreibfehler, Buffer underrun. Das Gerät bekam ich trotzdem refinanziert. Meine Freunde brauchten viele Sicherungskopien ihrer CDs, wahrscheinlich gingen sie einfach nicht sorgfältig genug mit den CDs um! Das halbstündige Zittern vor dem Computer wurde dann entsprechend entlohnt. Denn einen Brenner hatte keiner, den hatte erst jeder, als sie billig waren. Also brannte ich auch fleissig Windows CD auf einem Mac. Ich konnte zwar nichts davon installieren, aber immerhin brennen. Das reichte auch schon vollkommen.</p>
<p>Aber es änderte sich zunehmend in meinem Umfeld. Das Mac Betriebssystem war bei Version 8.6/9 angekommen, man konnte nun parallel Dateien kopieren und weiterarbeiten (was zwar suckte, aber hey, es ging!), aber es tat sich etwas auf all den anderen Computern. Windows 95 kam, neben viel mehr Menschen, die nun auch Computer mit Maus bedienen konnten. Und irgendwie stand man mit seinem Mac immer und immer mehr alleine auf weitem Flur. Stand man eigentlich schon immer, aber es schmerzte nie davor. Es fing nur langsam an, zu schmerzen. Und diese Schmerzen wurde man nicht mehr los. Die blieben. Man war vom anderen Lager und deswegen funktionierte erst einmal gar nichts. Disketten musste man extra für PCs formatieren, sonst konnte der PC mit der Diskette gar nichts anfangen. Man brauchte Textkonvertierungsprogramme um Word Dokumente von Windowsrechnern öffnen zu können. Und es gab vor allem kein einziges aktuelles Spiel mehr auf dem Mac, bzw nur noch sehr wenige. Spiele hatte entweder der Freund, dessen Vater Architekt war und ein ganzes Büro voller Highend Macs hatte oder man sparte sehr lange, um es sich offiziell kaufen zu können. Die ganze Raubkopierszene war Windows/Dos orientiert, für den Mac hatte ich keine entsprechenden Kontakte. Mein Architekten Freund wechselte zu Windows und gründete später seine erste Firma für PC Einrichtung.</p>
<p>&#8220;Mein&#8221; nächste Rechner war ein böser Clon, ein Gravis MT, graue billige PC Kiste, aber mit dem Mac Betriebssystem. Ja, richtig, das gab es einmal, Clon Macs, die erlaubt waren! Und ein 56k Modem. Das wurde alles für das Pfarramt angeschafft. Die Sekretärin arbeitete aber meist nur bis 12 Uhr, ich hatte nun also mein eigenes Büro neben dem Büro meines Vaters. Ich sorgte dafür, dass wir unter die ersten 10000 DSL Testkunden kamen, musste dann aber doch ein halbes Jahr auf den Anschluss warten. Der kam dann ziemlich zeitgleich zu Napster. Und von Napster aus, gab es eigentlich kein zurück mehr. Ich versuchte meine erste HTML Seite zu bauen und stellte sie irgendwo ins Netz. Ich entdeckte, wo man von Photoshop laden konnte. Das Programm, über das in alle den Mac Zeitschriften so viel geschrieben wurde und das so viel wie ein Rechner kostete. Das waren aufregende Zeiten. Weil man an einem Mac nicht spielen konnte, verbrachte ich meine Zeit irgendwie anders mit dem Gerät. Und eigentlich war es stets nur ein ständiges Ausprobieren. Das System gegen die Wand fahren, wieder frisch installieren, damit die Sekretärin auch wieder arbeiten kann. Das schulte die Kenntnis über das Mac System. Irgendwann wusste ich für jede Systemerweiterung so ungefähr, für was sie zuständig war, und ob man sie braucht, oder nicht, um das System hochzufahren.</p>
<p>Irgendwann war der Schmerz zu groß, der erste eigene Rechner musste her. Es war ein G4 400 MHz. Gebraucht. Ein Schnäppchen. Ich bekam ihn nur zu dem Preis, weil alle anderen, die viel höhere Zahlen genannt hatten, dann doch nicht zahlen wollten. So war der Businessmensch genervt und vollbrachte eine gute Tat. Fuhr mir sogar den Mac vorbei, weil die Kiste zu groß für den Versand war. Ein G4 mit einem 19 Zoll Bildschirm. Mit all den Daten, die er auf dem Mac hinterlassen hatte. Der Mac war an sich für seine Frau gedacht, sie hatte ihn nie benutzt, also hatte er ihn kurz benutzt, ein paar Kopien von Mails, die sein Fremdgehen dokumentierten darauf abgelegt. Natürlich noch ein paar Pornobildchen. Der Klassiker eben. (Es wäre eine Suche wert, ob diese CD noch existiert.)</p>
<p>So wurde ich endgültig einer vom anderen Lager. Einer von dem Lager, wo nichts funktioniert, wo man kein einziges Spiel installiert bekommt. Statt dessen kaufte ich mir Bücher über Quark Express und versuchte mit Golive, Photoshop, Freehand und Quark zurecht zu kommen. Und ich verbrachte ein sehr großen Teil meiner Zeit im Netz, keinen geringen Teil davon in Netzwerken, die Mac bezogen waren. Dort trafen wir anderen auf Gleichgesinnte und boten uns gegenseitig all das an, was wir zu bieten hatten. Es gibt wohl wenige Carracho Anwender unter den heutigen Mac Anwendern, aber die, die es kannten, werden es wohl eher nicht vergessen. Zu viel Zeit haben wir dort verbracht, uns unterhalten und ausgetauscht. Kleine dezentrale Netzwerke. [facp] war eins davon. Ich lebe immer noch mit einem anderen Mitglied von diesem Netzwerk unter einem Dach. Es war noch die Zeit, wo man genau hinsah, wenn man ein Apple Logo leuchten sah. Das war noch etwas Besonderes und es waren nicht selten interessante Persönlichkeiten, die man manchmal traf oder miteinander sprach, nur weil man die selbe Computermarke besaß.</p>
<p>Ich hatte nie einen Computer zu Hause, den ich ohne Maus bedienen musste. Mir blieb es schleierhaft, wie meine Freunde mit ihrem DOS System klar gekommen sind. Und Windows 95 bot auch nicht wirklich das, was ich als eine Besserung empfunden hätte, ausser dass all das dort funktioniert, was meine Klassenkameraden und Freunde auf ihren PCs so machten: spielen, eDonkey und ihre PCs pimpen. Man musste trotzdem viel Schmach mitnehmen, endlose Diskussionen über die lahmen Macs und überteuerte Hardware. Man stand immer recht alleine auf weiter Flur. Man konnte noch so oft erklären, dass man es als zu schmerzvoll empfindet, ein funktionierendes Netzwerk unter Windows einzurichten. Die Hardware blieb zu teuer und war auch nicht pimpbar.</p>
<p>Und es fühlte sich irgendwann auch gar nicht mehr so schlecht an, das think different. Ich fühlte mich wohl in der Welt der eingefleischten Mac Liebhaber und Maus Schubser. Man fand das alles gut, dieses anders, die bunten iMacs, die auf einmal kamen. Man fand sie gut, die Apple Videos und war schon von dem neuen Produkt iPod überzeugt, als man nur den Werbespot mit dem aus der Tür tanzenden Typen gesehen hatte, der kurz davor den Song in Sekunden von seiner Festplatte auf den tragbaren Player übertragen hatte. Da hatte es Klick gemacht im Kopf. Und das erste Zivi Gehalt ging für einen iPod flöten. Und ich habe es keine Sekunde je bereut, ich habe es nur genossen, in der U-Bahn, im Bus, auf dem Fahrrad. Das war kein Gerät mehr, für das man sich schämen musste, das war ein Traum, der Wirklichkeit geworden war. Es gab neue iPods, sie wurden kleiner und hatten mehr GB Speicher. Sie sahen noch edler aus und fühlten sich gut an in der Hand. Und auf einmal sah man immer mehr Menschen mit iPods und den weissen Kopfhörer Kabeln. und irgendwann fingen die weissen Kopfhörer Kabel eine Art Erkennungsmerkmal für den Coolness Faktor zu sein. Obwohl man durch diese Kopfhörer so überhaupt gar keinen coolen Sound geliefert bekommt.</p>
<p>Es blieb nicht bei dem iPod, es kamen iPhones und iPod touch, es kamen eine ganze Reihe von MacBooks/iBooks. Man sah sie irgendwann überall. Egal wo man war, irgendwo tauchte eine Mac Produkt auf. Man konnte sich irgendwann darauf verlassen. Sie haben wohl meist kein OS X 10.0 gesehen, auch kein 10.1 oder 10.2, sie sind am Ende mit Leopard zu dem Mac gekommen. Sie kennen nicht den Leidensweg von System Version 9 bis 10.3. Sie haben sich einen Mac gekauft, weil dort alles ja funktionieren soll und ausserdem hübsch ist. Sie haben am Ende auch wirklich weniger Probleme oder bilden sich das zu mindestens ein. Ausserdem hat man ja schon ein iPod oder iPhone und überhaupt hat ja jeder einen iPod oder ein iPhone, da braucht man das ja auch. Es ist nichts besonderes mehr, einen leuchtenden Apfel zu sehen, er ist in meiner Welt eher allgegenwärtig existent. Man kann sich auch nicht mehr darauf verlassen, dass man hinter einem Apple Produkt einen think different Anhänger vorfindet. Manche von ihnen würden sich vielleicht sogar vor einem Apple Store stellen und jubeln und klatschen, wenn er eröffnet wird. Einfach so, macht man halt so, die anderen klatschen ja auch.</p>
<p>Ich hatte lange keine wilde Diskussion mehr mit einem Apple Hasser. Letzten Freitag war es mal wieder soweit. Er war davon überzeugt, dass Apple absolut minderwertige Qualität verbaue und überhaupt nur Schrott abliefere, Platinen, auf denen alles fest verlötet ist und solche Sachen. Richtig, dachte ich mir, das haben sie auch schon bei meinem Perfoma 5200 gemacht. Fest verlöteter Prozessor, kein Stecksockel. Und die Bildschirm Qualität, unter aller Sau. Er war sehr schnell in Rage und kurz vor dem Explodieren. Ich habe mir angewöhnt, bei solchen Kandidaten das Argument fallen zu lassen, dass ich für das System, ohne mit der Wimper zu zucken das doppelte oder dreifache hinlegen würde. Das machte ihn Erwartungsgemäß noch viel wütender.</p>
<p>Mir war nicht nach einem Wutgespräch. Und es erschien mir auch nicht möglich, eine konstruktive Diskussion zu führen. Ja, es gibt bestimmt Punkte, die einer Kritik würdig wären, aber billige Hardware überteuert verkaufen ist kein Argument. Ein Argument wäre, dass Apple den Gewinn nicht exzessiv dazu benutzt gerechtere Arbeitsbedingungen in den Produktionsstätten zu schaffen anstatt den Gewinn an die Aktionäre auszuschütten. Sie könnten sich auch exzessiv dafür einsetzen, wie sie ihre Wegwerfprodukte (und auch die der gesamten Computerindustrie) umweltverträglich recyceln oder sich tolle neue Konzepte einfallen lassen, wie man kaputte und alte Geräte weiter benutzt. Davon gibt es nämlich sehr viele. Egal von welchem Hersteller. Auch das wäre ein Argument. Apple Produkte sind nicht überteuert und das werden sie auch nicht mehr sein. Apple Produkte sind inzwischen Massenprodukte. Wenn Apple zusätzlich noch etwas dazu beitragen kann/konnte, dass man für gute Produkte auch gern mehr zahlen kann, dann find ich das auch nicht verkehrt.</p>
<p>Letzte Woche ist Steve Jobs im Alter von 56 Jahren gestorben. Die Produkte seiner Firma haben mich von der analogen Schreibmaschine bis hin zum digitalen iComputer für die Hosentasche begleitet. Sie waren mein Werkzeug, um mich in der digitalen Welt zurecht zu finden, mein Fenster in die digitale Welt. Und ich bereue keine Sekunden, diese Wahl getroffen zu haben, bzw die Möglichkeit überhaupt bekommen zu haben. Das gute Gefühl fing bei dem grinsenden Computergesicht an, wollte nicht aufhören, als ich den ersten Song auf meinem ersten iPod hörte und war nicht weniger stark, als ich auf dem iPhone die Adressansicht mit meinem vorherigen Telefon vergleichen konnte. Die Produkte seiner Firma sind verdammt allgegenwärtig in meinem Leben, sind mein Werkzeug, um an der digitalen Welt teilzunehmen. Ich wäre heute wohl kein Webentwickler, hätte mich der Mac wegen fehlender Spielfähigkeiten nicht zu den Produktionswerkzeugen des Computers geführt. Ich würde am Ende auch nicht dieses ausgeprägte Bild von einem Werkzeug haben, mit dem man sich ausdrücken kann, dass einen beschränkt um sich überhaupt erst entfalten zu können. Das hat Apple verstanden, vielleicht haben sie sich das von Kindern (und den erziehenden Eltern) abgeschaut, aber Begrenzung ist keine schlechte Sache an sich. Sie kann verdammt hilfreich sein, klare Strukturen ebenso. Und sie haben eine Vorstellung davon, was es heisst den Anspruch an sich selbst zu haben, es gut zu machen. Ein gutes Produkt anzubieten. Mit einem hohen ästhetischen Anspruch. Dafür ist Steve Jobs bestimmt nicht alleine verantwortlich, aber die Firma, die er mit gegründet hat. Und diese besteht aus vielen Menschen, die gemeinsam immer wieder eine neue Vorstellung entwickelt haben, wie sie ihren Anspruch umgesetzt bekommen. Sie sind auch immer wieder großartig daran gescheitert und es bleibt offen, wie Apple das Verhältnis von Freiheit und Begrenzung in Zukunft gestaltet. Ich hoffe, sie bleiben ihrem Motto des Scheitern könnens treu.</p>
<p>Das Steve Jobs auch noch bei Pixar seine Finger im Spiel hatte, ist dann eigentlich schon zu viel des Guten. Einer der letzten Filme, die mich wirklich berührt hat: Up! Es müssen wundervolle Menschen sein, die digital geschaffene Menschen so viel Menschlichkeit einhauchen, dass man von Empathie beim Zuschauen übermannt wird. Menschen, die ihre Welt und Mitmenschen sehr gut beobachten und zu beglücken wissen. Man kann sagen, was man will, Steve Jobs scheint es verstanden zu haben, viele solcher wundervoller Menschen zusammenbringen und gemeinsam an einer Sache arbeiten zu lassen.</p>
<p>Danke für 17 Jahre voll Inspiration und stetigen Antrieb.</p>
<p>Will try to stay hungry, foolish I am!</p>
<p> ⌘</p>
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		<title>Melodien eines Sommers</title>
		<link>http://912finger.de/2011/09/04/melodien-eines-sommers/</link>
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		<pubDate>Sun, 04 Sep 2011 13:46:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>neuneinhalb Finger</dc:creator>
				<category><![CDATA[piano]]></category>

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		<description><![CDATA[Weil es lang her ist und so…

Wellengang:
Direkt
Sonnenuntergangs Gedanken
Direkt
Tanz mit mir ein Stück durchs Leben
Direkt

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<p>Wellengang:</p>
<p><a href="http://912finger.de/audio/wellengang.mp3" target="_blank">Direkt</a></p>
<p>Sonnenuntergangs Gedanken</p>
<p><a href="http://912finger.de/audio/sonnenuntergangs_gedanken.mp3" target="_blank">Direkt</a></p>
<p>Tanz mit mir ein Stück durchs Leben</p>
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		<title>Das letzte Mal</title>
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		<pubDate>Fri, 15 Jul 2011 01:04:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>neuneinhalb Finger</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Das letzte Mal Tränen in den Augen, als ich im Amsterdamer Concertgebouw bei Patrick Watson mit dem Koninklijk Concertgebouw &#8220;Light House&#8221; hörte (es war das erste Lied an dem Abend von Patrick mit Orchester). Und auch wenn man sich den Live Mitschnitt holt und auf einer guten Anlage anhört, der Moment in dem es zum ersten Mal kracht, das kommt nicht an. Vielleicht gerade noch im Ohr, aber nicht da, wo es einen Tränen aus den Augen schießen lässt. Das war ein verdammt majestätischer Moment, so ganz und gar, in dem alles von einem weggeschwommen oder alles auf einen eingeflutet ist, mitgerissen und weggespült wurde. (Trotzdem empfehle ich den Mitschnitt sehr!)</p>
<p>Die letzten Male voller Ratlosigkeit mit einem schreienden kleinen Bündel voller Emotionen vor sich. Und man verstand nur, dass all die bisherige Ratlosigkeit lächerlich war. Und man keinen blassen Schimmer hat, was das für  Fragen sein könnte, welche Realität, die so sehr quält. Ratlosigkeit auch darüber, ob es gut oder schlecht ist, dass all die anderen Mitmenschen (normalerweise) nicht schreien und wüten.</p>
<p>Das letzte Mal verzweifelt an einer Lebensrealität: vor einer Woche. Das tolle an Privatparties ist, man bekommt einen, nicht selten aufgehübschten, Einblick in das Leben von irgend jemanden. Wenn Oscar Wildes Versuchungs Zitat in der Küche an der Wand klebt, sollte man sich aber spätestens überlegen, ob man diesen Einblick wirklich aushalten kann. Beim Fachgespräch über den neuen Fernseher und dessen Zolleinheiten (sind das nun 37, oder 32) inklusive tollen Soundsystem, von dem man so gar nicht weiss, ob es nun 5.1, 7.1 oder am Ende nur Stereo ist, steckt man leider schon mittendrin im Lebensrealitäten Abgleich. Irgendwann werden dann wohl die Kinderbücher aus der untersten Etage in den mittleren Bereich des Buchregals wandern und die literarisch wertvollen Bücher weiter nach unten. Und wenn Besuch kommt, läuft man weiterhin mit Stöckelschuhen durch die eigene Wohnung. Der Realitäten Abgleich zwischen Wedding und Friedenau funktioniert in der Praxis nur sehr schwer. Es ist lange her, dass ich auf einer &#8220;Privatparty&#8221; war. Ich werde das nächste Mal wieder dem Wedding den Vorzug lassen. Das ist näher dran an meiner Realität.</p>
<p>Das letzte Mal alt gefühlt: stetig zunehmender Zustand. Zum Glück nimmt auch die Akzeptanz des Alterns stetig zu. Bartträger zu sein ist zwar gerade kein Ausdruck mehr davon, aber Bartträger bin ich nun auch schon fast 10 Jahre. Eat this, young hipsters. Die Revolution der Bärte bleibt aber Tatsache, auch wenn die hipster keine mehr tragen!</p>
<p>Das letzte Mal ohne Mütze: nach Stunden langen Suchen das langsame sich Abfinden mit der gefühlten Nacktheit. Auf der Strasse dann die Erkenntnis, dass Kopffreiheit und nackt sein in der Öffentlichkeit keine Option sind. So gar nicht. Absoluter Erkenntnisgewinn: man kann nie genug Mützen haben!</p>
<p>Das letzte Mal über Glück nachgedacht: als ich den (sonn)taz Artikel der letzten Ausgabe hinter mir hatte. Eine Frau lässt Ihre Glücklichkeit erforschen. Dabei hat die Frau, die ihre Glücklichkeit erforschen lässt schon den nahen Beigeschmack zu einem Realitätsabgleich, den man sich gar nicht erst antun sollte. Übrig bleibt dabei für mich nur die Frage, ob sie es nur gemacht hat, weil die taz den Auftrag dazu gegeben hat, oder ob sie das wirklich wissen wollte, wie glücklich sie ist. Wollte sie wirklich nur die Bestätigung abholen, dass sie scheisse glücklich zu sein hat, weil alles perfekt ist? Das interessiert mich dann doch schon fast mehr, als die Frage nach dem Glück an sich. Dazu kam zeitgleich der Hinweis auf ein Filmprojekt über Frauen um die 30 (<a href="http://www.indiegogo.com/RESTLESS" target="_blank">http://www.indiegogo.com/RESTLESS</a>). Der Film könnte seinem Namen ziemlich gut gerecht werden. Hat auch nicht zwingend Glück zum Thema. Spitzt nur so durch. An sich ist das schöne am Glück ja, dass daran scheitern. Das ist das Beste, was einem am Glück oder glücklich sein passieren kann. Und ich wünsche ganz vielen Menschen, an ihrer Vorstellung von Glück zu scheitern. Nicht aus Gehässigkeit, nein, ich glaube, das ist sehr gesund. So für den eigenen Horizont. Und man bekommt mit jedem Scheitern ein Stück mehr Zufriedenheit, oder &#8220;happiness&#8221;. In dem Sinn ein Film über sehr &#8220;gesunde&#8221; Frauen. Schön…</p>
<p>Das letzte Mal darüber nachgedacht &#8211; warum eigentlich: Irgendwann muss es mir gelungen sein, diese Frage als malträtierenden Hammer, der den Kopf mit jedem Schlag zu Brei verwandelt, loszuwerden. Sie quält mich zu mindestens nicht mehr und das empfinde ich eigentlich als sehr angenehm. Zu oft und jeden Tag aufs neue darf man sich mit dieser Frage auseinander setzen. Es reicht, in die Zeitung zu schauen um an der Frage &#8220;warum eigentlich&#8221; zu verzweifeln. Es reicht der Blick auf das eigene Leben und das von anderen Menschen. Es reicht, von meiner Wohnungstür bis zu einer U-Bahn zu gehen, es reicht nur ein Minimum von diesem Irrsinn wahrzunehmen, um sich für eine lange Zeit in der dunklen Kammer zurückzuziehen und die warum Frage an sich nagen zu lassen. Solange der Mensch noch müde wird, wird das nicht klappen mit einer perfekt Antwort auf das warum. Die Chance, dass es am nächsten Tag, ausgeschlafen oder nicht, eine neue Antwort gibt, ist nicht so gering. Und nein, man muss nicht jeden Tag eine neue Antwort finden, aber es reicht mir als Antrieb, um aufzustehen. Mich verwundert eher, wie viele Menschen bei einer Antwort oder der Suche nach der perfekten Antwort hängen bleiben. Bleibt noch die bohrende Frage, warum wir Menschen so viel Dummheit in uns tragen, die werde ich nicht los…</p>
<p>Das letzte Mal gescheitert: dauerhafter Zustand an sich. Ich scheitere ja schon massiv an dem Faktor Zeit.</p>
<p>Das letzte Mal einen Blogeintrag verfassen: ist über vier Monate her (siehe letzter Absatz).</p>
<p>Das letzte Mal ruhigen Kopfes ins Bett gegangen: verbinde ich eher mit Erinnerungen an meine Kindheit. Aber vielleicht ist das auch nur verklärte Schönbildmalerei. Man könnte ja ansonsten eher den Eindruck bekommen, ist gar nicht so…</p>
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