Okt 6 2008

Big Jumps

Verdammt, man lebt nur einmal. Man hat nur eine einmal große Chance, die große Chance. Möglichkeiten ohne Ende. Und man beschäftigt sich die ganze Zeit damit, die kleinen Krümel von dem großen Kuchen zu picken. Wie bei einem Streuselkuchen. Streusel für Streusel, vom kleinen bis zum größten. Bis keine Streusel mehr übrig sein mögen. Nur gibt es viel zu viele Streusel damit der nackte Kuchen irgendwann einmal einen anstrahlt. Anstatt sich zu mindestens ein dickes Stück des Kuchens einzufahren streuselt man vor sich hin. Und wenn man erstmal mit dem Streuseln angefangen hat…

Muhar, man kann sich gar nicht genug gehen lassen. Auf Arbeit das Radio auf- oder abdrehen und zu dem Song des Momentes das Haar fliegen zu lassen. Laut schreien, seinen Computer beschimpfen, die dumme Sau. Den Blick geradeaus und nicht loslassen, mitten im Gehen einen kurzen Moment auszuflippen und abzuspacken. Auf dem Fahrrad wild mit den Händen dirigieren im dichten Morgenverkehr. Den dreckigsten Gedanken nicht ausweichen sondern immer auf Tasche haben. Andere Menschen kitzeln, egal wie sehr sie einen für einen Freak halten mögen.

Das könnte Teil einer Entkrümelungs-Therapie sein… individuell weiter gestaltbar. Damit man irgendwann mal mindestens ein Kuchenstück schafft.

Bis dahin, vielleicht Lieder, wie Big Jumps von Emiliana Torrini hören (Audio Player rechts, rechter Button “Release Player”). Und yezzzzzzzzzzzzzzzz schreien oder verdammt laut denken. Oder so ähnlich. Ach ja, die Frau lieben! Unbedingt, und dafür, dass man sie so lange übersehen hat, sollte man sich ungemein schämen.

Nur mal so gesagt, war gerade nur so ein Bedürfnis… und Pflaumenkuchen rockt … muhar!


Sep 9 2008

warum ich nie auf die Idee komme, ins Kino zu gehen…

Manche Menschen machen es verdammt regelmäßig. Es gibt ja auch genügend Gründe, es immer wieder zu tun. Soweit ich informiert bin, haut Hollywood und Co. nach wie vor immer mehr Filme raus. Jeden Donnerstag aufs neue das Leben konserviert auf silbernen Glitzerscheiben. Filmrolle gab es irgendwann damals, oder irgendwo, wo die Nostalgie zugeschlagen hat. Karlsson vom Dach habe ich zum Beispiel noch so gesehen. Zwei oder drei mal, wo von einmal die Filmrolle so unglaublich gar nicht mehr funktionieren wollte und jeglicher Tesafilm nicht mehr helfen wollte, die Luft voll angeschmorten Cellophan hing. Da waren dann ein großer bunter Haufen Kinder, der Filmprojektor ein durchaus seltenes Erlebnis. 

Mit den Multiplex Kinos wurde ich irgendwie nie wirklich warm. Ich versuchte sie stets zu vermeiden, ausserdem konnte man in der Meisengeige rauchen. Und die Enge, der Ton, die alten Sitze, der Rauch, die Leere, dieses Kinoerlebnis hatte so unglaublich wenig mit dem Multiplex Erlebnis zu tun. Würde man alleine in einem riesigen Kinosaal sitzen, müsste man am Ende durchaus darüber nachdenken, warum man schon wieder als einziger in diesem Film gelandet ist. An anderen Orten war man erstaunt, wenn noch ein anderer Besucher mit im Kino saß.

Und je länger man die großen Kinos gemieden hat, desto heftiger haut es einen um, wenn man sich dann einmal wieder daran versucht. Irgendwann hat man den Kassen – Bildschirme um einen – viel zu viele Menschen – Marathon hinter sich gebracht. Sitzt brav auf seiner Sitznummer, die man sich am netten Kassencomputer ausgesucht hat. Und dann High Definition Bild und Dolby Digital Superb Sound, alleine von dem Logosound haut es einen um, dass man Angst bekommt, überhaupt lebend aus dem Kino wieder rauszukommen. Am besten Genre Horror oder Action. 

Wenn man sich mit Filmmusik ein klein wenig beschäftigt, erfährt man interessante Dinge, die durchaus im Selbsttest dann perfekt studiert werden können. Ich bin jedenfalls auf dem Film gespannt, der innerhalb von 30 Sekunden feuchte Händen, hohen Herzschlag und wild wuselnde Neurotransmitter erzeugen kann, ohne jeglichen Ton zu verwenden. Und wenn man sich wohl ein wenig zu viel mit Filmmusik/geräuschen beschäftigt hat, wird es wohl schwer mit dem Kinoerlebnis. Und meine Tatort Erlebnisse verzeichne ich seitdem auch als definitiv grauenvoll, man möge mir das verzeihen, und ich hatte bestimmt nur die schlechten Folgen erwischt, jaja. Man ist dann auch ein wenig stolz, wenn die Musik sehr auf die Tränendrüse drückt und man feststellen kann, dass der Meister aber schon ganz platt gearbeitet hat. Nur in diesen großen Kinos ist das ein Ding der Unmöglichkeit. Ich möchte keinen Film wie Crank an einem solchen Ort sehen. Ich würde wahrscheinlich klitschnass aus dem Kino wankend laufen. Zu viel Adrenalin kann nicht gut sein. Und die Lautstärke ebenso nicht. Ich versteh aus der Perspektive auch nicht diese ganze 3D, Wackel Stühle Sache. Dafür bin ich wohl schon zu alt obwohl noch einigermaßen jung. 

Und warum sollte man ins Kino gehen, wenn man Musik hat?

Man mache sie an, irgendein Stück, ganz egal, vielleicht sucht man sich lieber eines aus, mit dem man gerade gut kann. Im Endeffekt ist jedes Lied ein kleiner Film, nur kann am Ende ein Lied sogar mehr als ein Film sein. Gedankenkino funktioniert mit Musik meistens ungemein besser. Und die Bilder sind nicht 3D, die sind sozusagen 4D, Highest Definition sozusagen. Und es kommt nicht auf die Dreistheit des Regisseurs an, sondern es zählt vielmehr die eigene Dreistheit und Freiheit, die man sich nehmen kann.

In dem Sinn habe ich mehr als genug Kino. Ich würde das fast ein dauerhaftes Erlebnis nennen. Der unendliche Film sozusagen. So schlecht ist er auch nicht. Hat schon was. Auch wenn er ganz schön verzwickt ist. So ein Film der Kategorie ??? beim Verlassen des Kinos. Und ich muss auch einmal feststellen, dass der Film mitunter die beste Filmmusik hat, die ich bisher mitbekommen habe. Sie passt einfach ungemein, sie ist, als hätte ich sie ausgesucht.

Es gibt ganz bestimmt viele feine Filme, ganz bestimmt auch unglaublich viel fantastische Filmmusik. Ich könnte etliche Beispiele aufführen. Erwähnt werden soll an dieser Stelle wenn dann nur “Unfaithful”. Nicht weil die Musik so unglaublich ist. Die Musik dazu hatte ich sehr sehr lange, bis ich irgendwann zu dem Film kam. Und ich war schwer überrascht. Mein Kopfkino war sehr facettenreich zu der Musik, ich hatte sie eine ganze Zeit lang immer wieder gehört. Mit der Reihenfolge verhält es sich am Ende wie mit Büchern und Filmen. Besser man hat das Kopfkino davor wahrscheinlich… 

Ich glaube nur, dass man einen verdammt großen Fehler begeht, wenn immer mehr Filme entweder mit reinen “Soundtracks” auskommen oder einen “Score” aufweisen können, der aber komplett im Computer erzeugt wurde. Eine Orchesteraufnahme haben inzwischen meist nur noch die ganz großen Produktionen. Und das muss nicht immer unbedingt die spannendste sein. Soundtracks zu kaufen ist daher eine Schande, sich einen Score zu holen durchaus lobenswert. 

Und so etwas wie shortfilmlivemusic ein Traum. Da kann man dann auch mal die Augen zumachen, und einfach der Musik nachhängen. 

Das schöne an (Film)Musik ist nämlich, ohne das Bild löst sich der Funktionsanspruch der Musik ein wenig. Es kommt auf das eigene Bild an, wie man selbst funktioniert. Das finde ich weitaus spannender, als einfach nur zu funktionieren, mit Schweiß, Adrenalin und einer schnellen Atmung. Aber für viele ist das wohl wie mit Musik generell. Ein Box muss drücken und reinhauen. Multiplexkino im Ohr eben. 

Und wenn man dann 300 € für ein Kopfhörer ausgeben will, wird man verdammt komisch angeschaut. Und man sollte erst gar nicht versuchen zu erklären, dass das dann 3D mit Wackelstuhl, HD und dickest Dolby im Ohr ist, nur halt ganz klein und trotzdem ganz groß. Unendliches Kopfkino, viele viele kleine Filmchen. Und wenn sie die Kopfhörer probieren würden, würden sie wohl sagen, dass da der Bass fehlt und ob die nicht lauter gehen.

Warum ich also nicht ins Kino gehe ist eigentlich ganz einfach zusammengefasst: bis ich auf die Idee dazu überhaupt kommen würde, könnte ich ja noch diesen Song anhören, oder jenen, mal kurz einen kleinen Film nachhängen…


Jun 8 2008

Clueso – So sehr dabei

Vorne weg, eine kleine Anekdote. Der iTunes Music Store ist ganz bestimmt ganz toll. Da kann unsereins also nun sein Geld lassen. All die anderen Mühen vergessen. Und der iTunes Store will es einem einfach machen und natürlich auch die ganze Sache noch schmackhafter machen. Also machen sie nette Banner, auf den sie den Text nageln “Jetzt vorbestellen!”. Darauf geklickt erfährt man dann, dass wenn man jetzt vorbestellt, nicht nur bei Veröffentlichung automatisch das Album bekommt, sondern noch zusätzliche Audiokommentare. Toll. Ein weiterer Button gedrückt und schon hatte man das Album “vorbestellt” und muss sich keine weiteren Gedanken machen. Irgendwann bekommt man dann den iTunes Newsletter und erfährt, dass das neue Album veröffentlicht ist. An dem Punkt wundert man sich vielleicht schon, warum man es dann noch nicht angehört hat, aber spätestens wenn man im Store nachgeschaut hat, es kaufen könnte, und es eigentlich ja schon gekauft hat, aber immer noch nicht hören kann, dann wundert man sich doch wirklich ein wenig. Zeit also, seinen Unmut zu äußern. Bis man jedoch den Ort gefunden hat, wo man dem iTunes Store eine E-Mail schreiben kann, da muss man schon ein wenig suchen (ist ja auch eine mühselige Sache so ein E-Mail Support, ein Unmutabladeort). Eine nette Frau Katja Hoffmann aus Irland(¿) antwortet dann sogar noch: 

Vielen Dank, daß Sie das Album von Clueso vorbestellt haben. Das Interesse unserer Kunden an diesem Album hat unsere Prognose weit übertroffen. Wir wissen, daß Sie bestrebt sind dieses neue Album zu bekommen und wir arbeiten daran, daß es es Ihnen sobald as möglich zur Verfügung steht.

Das fand ich schon einmal ganz nett. Ich wollte nur nicht so ganz verstehen, warum ein zu großes Interesse eine Prognose übertrifft. In meiner Vorstellung gibt es da irgendwo eine tolle Software mit tollen Buttons (ich würde es ja gerne mal sehen, das iTunes Store Backend!) und da sollte es doch kein Problem sein, bei Veröffentlichung den Veröffentlichungsbutton zu drücken und zack, bekommen alle “Vorbesteller” die heiß ersehnte E-Mail mit der Kaufinfo. Das versuchte ich also der Frau Hoffmann zu erklären. Ich mein, das ist ja systemisch gesehen kein Problem, kann keins sein, weil der Prozess von Vorbestellungen im iTunes Store generell integriert ist. Also wird er technisch kein Problem sein. Punkt.

Ich hätte ja an viele Dinge gedacht, aber die folgende Antwort, die fand ich richtig nett, und ganz sicherlich, der iTunes Store hat tolle Buttons, das Problem bleibt der Mensch:

leider ist es oft so, dass das Bonusmaterial, welches in einem vorbestellten Album enthalten ist, von den Plattenfirmen nicht rechtzeitig zur Verfügung gestellt worden ist.

Das bereits erhältliche Album enthält dieses Bonusmaterial nicht.

Und an dem Punkt muss der Systementwickler tief in sich hineingrinsen. Immer das Contentproblem. Aber ich kann das schon verstehen… Audiokommenatre… nette Sache… und es gibt bestimmt sehr viele nette Dinge in dem Leben eines Clueso. Und so ein Audiokommentaretermin… Hmmmmm…

 

 

Doch kommen wir zur Hauptsache. Einem neuen Album von Clueso. Vielleicht hat man darauf gewartet, alleine schon wegen der kontinuierlichen Vorbereitung. Da gab es eine Single, ein iTunes Live Konzert. Also hatte man den ein oder anderen Song des Albums schon einmal angehört. Das schöne an solchen Vorbestellungsdingen ist, dass man sie dann erst einmal vergessen kann. Umso schöner, wenn dann die Platte ein bisschen unerwartet aber genau passend aufschlägt.

“Barfuss” – die Eröffnung. Das Lied schmeckt schon ungemein nach Sommer… oder Frühling im Übergang. Angenehm sanft.

“Augen zu” – also an sich funktioniert der Song, aber ich kann mich noch nicht ganz entscheiden ob ich das “baba uuuhhh” nicht ein wenig overdosed finde. Das schöne an dem Song ist, wenn er sich nach 3/4 zuspitzt und die Akkordfolgen ums Ohr fliegen und die Stimme bei “kleinen” und “schönen” so fein bricht. Das drückende Ende… hmmm… ich hätte es spannend gefunden, es im Bruch enden zu lassen, zu viel Rock für die feinen Wechsel davor. 

“Wir woll’n Sommer” – Es ist Sommer, seit Tagen. Und wie könnte man besser überprüfen, ob das Gefühl von Sommer getroffen ist, als wenn man ihn gerade spüren darf. Der Song funktioniert im Sommer wunderbar, er trifft das Gefühl verdammt gut. Glückwunsch dazu. Der Rhythmus, sehr angenehm. Das Schlagzeug sehr klar und prägnant, der Hall ungemein passend. Man könnte auch sagen, die Erdung passt, um die flirrenden Stimmen zu ertragen ;) . Der Nieser, perfekt! 

“Geisterstadt” – ist musikalisch wirklich genauso drückend, wie die textlichen Eindrücke. Das Lied hätte man auch in Magdeburg gut im Ohr haben können, wenn man sich mit den Fahrrad in manch Aussenbezirke schlug. 

“Utopie” – ein Wort, von dem ich ziemlich Respekt habe. Und dann kommt es auch noch dick und fett daher. Wäre da nicht dieser Bruch, ich würde das Lied so gar nicht mögen. Aber das Lied bricht genau bei 1 Minuten und 8 Sekunden. Der Bruch wirkt ein ganz klein wenig gehetzt. Das ist ein bisschen schade. Je öfter man das Lied hört, desto mehr Zeit könnte dieser Bruch sich Zeit nehmen, das Klavier mit aller Ruhe und Gewissheit in den Bruch gehen, sich nicht hetzen lassen. Die Klarinette (ich hoffe, ich liege richtig), die sich sanft mit ins Spiel schleicht und eigene Wege geht, die Harfe, die Streicher, die Bläser, ein großer Wurf, große schwere Melancholie. Mit ein bisschen Hang, ins Kitschige abzugleiten. Erinnert irgendwie ein wenig an Filmmusik in den Bögen der Musik, das An- und Abschwellen. Dagegen steht die “Angst” als Wort. Das darf dann live nur nicht aus der Büchse kommen ;)

“Pause” – ein wundervoller kleiner Schnippsel. Wirklich. Der könnte ewig so weiter gehen, so zerfetzt und ruppig und doch so unglaublich dahin schwimmend. Herrlich. Ich war schon immer der Meinung, dass Pausen viel zu kurz sind, und dieses ist es ganz gewiss. Ich versteh das nicht ganz, warum das ausfaden muss, als es gerade angefangen hat. Warum nimmt sich die Pause nicht mindesten eine Minute mehr Zeit? Lässt sich mehr dahin treibend. Das ist wirklich schade… da hätte die Band ruhig mehr Raum bekommen können!

“So sehr dabei” – das Lied, was dem Album zu mindestens Patenschaft stand. Klopft den durchaus “rockigen” Eindruck des Albums final fest. Oder vielleicht TripHop? Irgendwie düster, monumental. Aber sehr angenehmer Text. 

 

Alles in allem ein sehr wundervolles Album. Ich mag es sehr. Es sind sehr angenehme Stücke dabei, angenehm ruhig, vorwärts treibend. Viel Gitarren in anderen Stücken. Angenehm wenig gerade Dinge. Lieder mit Brüchen. Sprechgesang, der das alles trägt, trifft es durchaus. Die Musik in ihren Bögen steht in ihren Bögen weit mehr im Vordergrund als es im HipHop üblich sein muss. Die Band nimmt einen großen Part ein, kann diesen Raum aber auch wirklich musikalisch kreativ ausfüllen. Das merkt man spätestens bei “Pause”. Gerade deswegen ist es so schade, dass es so kurz ist. Die Jungs können durchaus einiges. 

Norman Bates – Backup Vocals
Christoph Bernewitz – Gitarre
Daniel Bätge – Bass
Philipp Milner – Klavier
Paul Tetzlaff – Schlagzeug
DJ Malik – Plattenspieler
Christian Kohlhaas – Posaune

 

7 Monate Arbeit an verschiedensten Orten, zuletzt Aufnahme in Spanien. Ralf Christian Mayer (Herbert Grönemeyer, Die Fantastischen 4, Xavier Naidoo, Joy Denalane, James Last, ASD (Afrob/Samy Deluxe), Die Happy, Lucy (No Angels), Tiefschwarz, Mary J. Blige, …) hatte wieder seine Finger im Spiel. Und ich glaube, er hat da schon auch einen gewissen Part, dass es so klingt, wie es klingt. Dick, wenn es dick sein soll. Doch nie ohne feinste Nuancen. Gerade bei Utopie kann man seiner Arbeit lauschen. Leise, sanft und schwimmend, wenn es so angedacht ist. Ein Feuerwerk auf die Ohren. Gerade so etwas wie eine Klarinette oder eine Harfe, die spontan hervortreten und dann von der Gitarre abgelöst werden. Schön, sehr schön. 

Ein sehr gelungenes Album, sehr musikalisch. Sehr angenehme Texte, viel Nachdenklichkeit. Ich gehe das ja immer eher von der Musik aus an, und die passt auf jeden Fall zu den Texten.

Würdest du sagen, dass du mit der Zeit reifer bzw. ernster geworden bist? 
Das ist ein Stück weit auch gewollt. Es gibt viele junge Leute, die auf mich aufmerksam werden, wie durch so eine TV-Geschichte, da kriegt man ein ziemlich junges Publikum. Aber es gibt auch viele ältere Leute, die die Musik hören, die mit meiner Musik auch mitwachsen. Das heißt, die sollen beim Clueso-Album-hören auch was für sich entdecken.

Das können sie. 

Glückwunsch Clueso mit Band und vielen Dank dafür!

 

Links:

 


Mai 20 2008

Camille – Music Hole

Wer “Le Fil” schon zu lieben gelernt hat, egal, ob man etwas versteht oder nicht, der wird wohl kaum zögern. Und es gibt auch so überhaupt keinen Grund. Wenn ein Album mit seinem ersten Song einen schon platt macht, dann kann der Rest nicht viel schlechter sein. Und er ist es so gar nicht!

 

Camille, Le Fil, hörte ich das erste Mal über einen Lautsprecher, der an einer Badewanne in einer Küche hing. So war das mehr oder weniger fast ein wenig Geräuschkulisse, aber irgendwas machte mich mit der Zeit ein wenig hippelig. Da war so ein Ton in meinem Ohr, der blieb penetrant irgendwie und ging nicht weg. Und auf so etwas bin ich ein wenig leicht anfällig, oder anders gesagt, das geht gar nicht, wenn man nicht weiß, woher es pfeift oder tönt. Ein zweites Mal lief Camille auf einer Party und danach ließ ich es mir nicht nehmen, herauszufinden, was denn das nun genau für Musik war.

So kam ich zu Camille und Le Fil und dem Ton, der das ganze Album hindurch da ist, irgendwie sich das ganze Album um diesen Ton herumspinnt, von ihm immer wieder neu ausgeht, um wieder zu ihm zurückzukehren. Mit jedem Mal hören kann man sich da nur mehr verlieben. Ein Blubbern, ein Plappern, ein Loopen. Stimmen, überall und immer mehr, übereinander geschichtet bis zum kleinen eigenen Orchester gesteigert. Wundervoll abwechslungsreich, nachdenklich und immer wieder treibend. Und das alles in französisch. 

 

Die nächste Platte, Music Hole, ist in englisch. Und sie kommt vom ersten Song an “fetter” daher. Ein besseres Wort fällt mir nicht dazu ein, aber das dicke breite Wabbern im Hintergrund, da müssen schon einige Presets greifen, damit die Stimme so dick daher kommt. Es treibt daher auch durchaus mehr. Und keine Angst, die ruhigeren, getrageneren Songs sind auch dabei. Aber sie weiß auch durchaus damit zu spielen (Cats&Dogs). Der erste Song “Gospel with no lord” ist, wie schon erwähnt ein wundervoller Einstieg. Selten, dass ein Album mich so angenehm von Anfang an überrascht. Und vor allem bei den nächsten Songs so gar nicht nachlässt, “Home is where it hurts” – allein der Titel.

Und so bleibt es, ein wundervolles Album, von vorne bis hinten. Und das ist wundervoll schön so. Französisch hat schon Charme an sich, aber ich musste irgendwie nicht wirklich darüber nachdenken, ob das nun passt mit dem Englischen. Dafür ist die Frau einfach zu gut. 

Und wer Camille noch nicht kannte, hat sowieso definitiv was verpasst!
Ach ja, und bezüglich Badewannenmusik, Camille eignet sich hervorragend.

Also los, Album besorgen, bis dahin folgende Links genießen (die Videos von ihr sind sehr nice!)


Mai 8 2008

Clueso & Katie Melua iTunes Live Festival Berlin

Die Karte kam ein paar Stunden davor. Schon ein wenig komisch knapp. Aber umso feiner, wenn dann auf der Karte Clueso steht. Katie Melua kann man ja noch mitnehmen.

Und Clueso war ungemein fein. Sehr satter Sound, klar, prägnant, wunderbar, so wünscht man sich das jedes Mal. Was die Jungs von der Technik da aus ihrem BlinkeLeuchtSoudncraftTisch herausgeholt haben, es verdient, egal welches Konzert, nur Lob. Sehr professionell, aber es soll ja auch schließlich verwertet werden. Auf das neue Album von Clueso kann man sich also durchaus richtig freuen, die neuen Songs, die im Programm enthalten waren, haben durchwegs gefallen. Überhaupt war das ganze Konzert voll unglaublicher Energie. Clueso hat richtig Power gegeben, die Schweißperlen tropften nur so von der Stirn. Und man konnte einfach sehen, dass die Musiker alle zusammen Spaß hatten, es genossen, diesen Auftritt zu spielen. Das hatte gut drive und der kam deutlich an, auch wenn das Publikum, wie schon bei allen anderen Konzerten sehr sehr gemischt war und ein bisschen träge.

Katie Melua…
das war glatt… vor allem glatt und gnadenlos perfekt.
Jedes Lied war von Gitarrenwechsel begleitet, alles lief wie am Schnürchen, der Sound, Wahnsinn, allein wie die Stimme herauskam. Perfekt sozusagen. Die Musiker, die ganze Gruppe, ein unglaublich komischer Mix, ein Gitarrist wie aus einem Hippiefilm entschlüpft, ein Schlagzeuger  und ein Bass mit Glatze, beide eher älterer Natur. Ein E-Bass, bzw so ein Western Style Gitarren-Bass. Und ein Pianist mit Buckel. Das Klavier hat mich aber in der Abnahme überhaupt nicht überzeugt, es hörte sich regelrecht “billig” im Vergleich zu dem Rest an. Alles tolle Musiker, alle perfekt und ohne Fehler gespielt. Das letzte Konzert einer Tour. Ein perfektes Konzert, aber es kam null und nichts an, es war wie das Herunterspielen einer CD. Perfekter Sound, aber kein drive. Die Musik an sich hochenergetisch teilweise, aber von der Energie kam nichts mehr bei mir an, dass verpuffte einfach. Vielleicht auch weil der Publikumskontakt nicht existierte. Das war ein rundes komplettes Programm, das ging von vorne bis hinten ohne große Unterbrechung hindurch. 

Eine wundervolle Stimme, mit sehr viel Power, und unglaublicher Bandbreite.

Es war leider nur viel zu perfekt irgendwie.

 

Aber das Konzept an sich, gerne wieder… sehr sehr nett, ich habe es sehr genossen ;)