Ich würde gerne…

Ich würde dir manchmal gerne sagen, dass du nur lachen musst. Dass jede Träne überflüssig ist, und nicht nötig. Dass es einfach ist, und nicht kompliziert oder am Ende sogar schwer. Dass du nur träumen musst, und der Rest sich von alleine ergibt. Dass dein Vertrauen in andere Menschen nicht enttäuscht werden wird.

Ich würde dir manchmal auch gerne einfach nur zuhören, während du lachst, und dich nicht von Sorgen und Kummer zerfressen lässt. Dir dieses Gefühl wieder ermöglichen, dass du irgendwann auf deinem Weg des “Erwachsen werden” verloren hast. Dass das Leben unbeschwert und fröhlich sein kann, die verbrachten Tage, die hinter einem liegen, keinen Ballast auf den Schultern bilden, und die kommenden Tage keine Sorgen bereiten, sondern weit weg sind und erst dann anfangen, wenn man aufwacht.

Ich würde dir gerne einfach nur dabei zuschauen, wie du durch dein Leben tanzt, ohne dabei an die Konsequenzen deines Handelns denken zu müssen. Ich würde dir wirklich gerne sagen, mache die Augen zu und schlaf einfach ein, morgen ist ein neuer Tag, frei von jeglicher Last und Erwartung, frei, um von dir erlebt und erobert zu werden.

Ich würde dir eigentlich auch gerne sagen, dass es sich lohnt zu glauben. An irgendetwas, sei es den lieben Gott, die Menschen, dich oder an die Liebe. Vielleicht auch, dass es sich lohnt, zu kämpfen.

All das würde ich manchmal wirklich gerne, aber mir fehlen die Worte, um es dir sagen. Und es ist nicht so, dass ich nicht genügend Worte in mir habe, aber immer, wenn ich versuche so etwas zu sagen, kommt das Gegenteil davon aus mir heraus, vielleicht weil es ansonsten einem Verrat an meinem eigenen Leben gleich kommen würde.

So schweige ich und höre zu, wenn du traurig oder voll Kummer und Sorgen bist. Ich höre mich Sätze sagen, wie: “das ist auch nicht so einfach” oder “da musst man durch”. Ich überlege, wie man dir etwas von dem Kummer und den Sorgen nehmen könnte, bleibe aber Ideen- und Ratlos. Und ich falle immer wieder darauf zurück, dass man Kummer und Sorgen niemanden abnehmen kann, genauso wenig, wie man für andere den Toilettengang verrichten kann. Ich stehe nicht so auf Lügen und Illusionen…

Ich versuche ein Gespräch über Träume zu vermeiden und wenn das Thema den Begriff Vertrauen kreuzt, bin ich nicht wirklich derjenige, der für andere Menschen einsteht, zu schwer wiegt wahrscheinlich der eigene Ballast an Enttäuschung und der Ahnung, dass man genauso Mensch ist. Und bzgl dem unbeschwerte Gefühl der Kindheit: wir dürfen uns nun eben glücklich schätzen, wenn wir es bei Kindern beobachten dürfen. Ich weiß dabei aber nicht einmal, ob es sonderlich fair den Kindern gegenüber ist, es ihnen möglichst lang zu erhalten.

Und das mit dem Glauben, dass ist auch nicht gerade so einfach wie es scheint. Der liebe Gott und ich haben uns einmal auf dem Balkon recht einseitig gestritten, mein Vater konnte das nicht wirklich ausgleichen, ausser mir Verständnis dafür zu verschaffen, dass man schon an etwas glauben darf und kann, aber die Gründe dafür nicht wirklich erfassbar sein werden und der Glaube an sich oft mit einer komischen Erwartungshaltung belastet ist. Und ja, man kann auch an die Liebe glauben, aber über nichts kann man sich so prächtig streiten, wie dieses Wort, das sehr schnell in einem Leben überstrapaziert wird. Und letzt endlich bleiben mir Menschen leicht unverständlich, die allzu sehr an die Liebe glauben. Das hat letzt endlich den gleichen Geschmack, wie die “Gott/Glauben” Sache. Es braucht auch sehr viel Hass, wo viel Liebe sein soll…

Es bleibt nicht viel übrig, was man eigentlich noch sagen könnte oder wollen würde. Es bleibt ein Schweigen und eine Zurückhaltung. Und die Einsicht, dass es grober Unfug wäre, dir das nehmen zu wollen, was dein Leben ist, war und sein wird. Nein, es wird wohl nicht einfacher, am Ende eher schwerer und komplizierter. Vielleicht gleicht der unbeschwerte Tanz auch mehr einem tollwütigen Herumgespringe zwischen den Grenzen, die man zu verschieben versucht. Und auch wenn das Lachen seltener wird, es ist schwer bis unmöglich, es ganz zu verlernen, genauso wie das mit dem nicht Nicht-Glauben hinhaut, man glaubt dann ja immerhin an das Nicht-Glauben.

Wenn man Menschen lieben oder hassen kann, dann genau wegen den Drang es immer wieder zu versuchen, zu glauben, lieben, kämpfen, träumen, lachen, weinen oder ganz einfach, zu leben. Und an dieser Versuchung immer wieder neu zu verzweifeln. Das ist so verdammt ehrlich und direkt. Und das ist wunderbar so.

Dir das alles “ersparen” zu wollen, würde das unmöglich machen. Deswegen schweige ich lieber (ich bin selbst weit davon entfernt, passende  Antworten für mich zu haben) oder entgegne mit Worten, die zwar ehrlich sind, aber keinerlei Trost bieten. Nehmen könnte ich dir nur ein Stück ehrliches Leben und ich finde es wertvoller ein Stück von diesem stillschweigend miterleben zu dürfen. Es ist so ein großes Geschenk.

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