Berlin-Usedom Box

Es gibt nicht so viel, was mich so sehr begeistert (hat), dass ich gerne und komplett aus freien Stücken dafür Werbung machen würde. Deswegen ist das hier auch mehr ein Dankeschön, das mindeste was man nach solch einem Erlebnis machen kann. Aber gerne auch Werbung, wenn man es so verstehen will. In diesem Fall wüsste ich nichts dagegen einzuwenden.

Auf dem Weg von Joachimsthal nach Prenzlau liegt kurz vor Prenzlau auf der linken Seeseite Zollchow. Und dort steht direkt am Berlin-Usedom Radweg eine rot/orange Box, die Berlin-Usedom Box. Wenn man die vielen Websites zum Berlin-Usedom Radweg durch hat und dann irgendwann bei der Box gelandet ist, dann ist es allein schon ein optischer Augenschmaus und eine klare Botschaft für das Design verwöhnte Auge: hier bist du richtig. Wer solch ein Logo hat, muss auch im Rest irgendwie passen. Als dann um 23:30h die Buchungsbestätigung kam, war die Freude groß, eine Alternative zu den sonst sehr zahlreichen, gern ausgebuchten “Pensionen” und Hotels zu haben.

Denn es wird entlang des Radweges hauptsächlich deutsche Kultur gepflegt, das merkt man spätestens in einer der Pensionen oder einem der Restaurants, in denen man viel Fleisch ab 10 € bekommt. Aber ansonsten auch nicht so viel. Gerichte wie Kuhfladen, Pferdeäpfel und Hühnermist. Schön deftig, sorgt schnell und effektiv für einen vollen Magen. Aber die Karten der Restaurants sind so ziemlich überall gleich, es bleibt also die Wahl zwischen Steak, Schnitzel und vielleicht noch Fisch.

Wenn das also schon hinter einem liegt und dann in Zollchow an der Box hält, kann man sich freuen, inmitten deutscher Lebens- und Esskultur eine kleine Oase zu finden. Eine Oase voller Herzlichkeit, das vorne weg. Es ist schön, wenn man mit einem Lächeln begrüßt und willkommen geheißen wird.

Das was die zwei Schwestern dort aufgebaut haben, steckt voller Liebe und Idealismus, und das bekommt man ab dem Augenblick zu spüren, ab den man vom Rad abgestiegen ist.

Eine kleine Lampe und einen Schlüssel für eine der Boxen (falls man sich eine genommen hat und nicht den Zeltplatz benutzt). Dusche, Toilette und Abwaschbereich vorhanden, kein Strom in der Hütte. Kleine weiße Holzhütten auf einem kleinen Feld, mit Bett, Stühlen und einem kleinen Tisch und ein wenig Abstellplatz. Herrlich minimal. Das Fahrrad hat einen eigenen dicken Holzbalken zum anlehnen und ansperren. (Allein so ein Holzbalken kann mich schon unglaublich erfreuen, die perfekte Lösung, um ein Fahrrad schnell und sicher anzusperren. Das verstehen so wenig Menschen.)

Dann kurz in den See (ein paar m weiter) gesprungen, aber danach sollte man sich dann hinter die rote Box unter das Sonnensegel setzen und die Speisekarte anschauen. Und spätestens dann sollte es klar sein, dass man dort gut aufgehoben sein wird. Ich verrate keine Gerichte, es sind nämlich wenige, die zur Auswahl stehen. Aber egal ob Frühstück, Kaffe/Kuchen, Salat oder etwas für den großen Appetit: Es war alles vorzüglich, eine reines Gaumenfest. Denn so etwas hatte ich der Uckermark dann doch nicht mehr zugetraut. Das was man bestellt, kommt mit so viel Liebe angerichtet an den Platz, dass schon beim Anblick des Essens erfreuen lässt. Es war mir zwei Tage ein unglaublicher Gaumenschmaus. Nicht schwer wie die Steaks, leicht und vielseitig, auch ohne Fleisch. Minz- und Ingwertee dazu. Eine Speisekarte die mich an meine geliebte Schulkneipe Balazzo Brozzi erinnerte. Und die Preise darf man ebenso wenig verraten wie die Gerichte. Zu billig für das, was man bekommt. Man fühlt sich fast schon schlecht mit dem Preis, wenn man sich den Tag davor ein Steak für 12 € einverleibt hat.

Wenn man dann mit runden Bauch noch eine Runde Entspannen will, gibt es Liegestühle oder Sitzkissenflächen und leckeren Kaffee/Kuchen oder Tee. Alles eher schlicht und einfach gemacht, aber eben schön und mit viel Idealismus. Ich fühlte mich sehr gut aufgehoben, ein wenig wie “coming home”. Man ist schnell in Gesprächen mit anderen Menschen, die dort vorbeikommen, verwickelt. Und die Begegnungen haben am Ende den gleichen Charme wie der Ort, an dem man sich trifft. (Das Frühstück bekommt auch eine Zeltnacht wieder wett gemacht!)

Der einzige Minuspunkt könnten die Mücken und Bremsen sein. Die sind ab 22h spätestens höchst aggressiv, aber zum Glück hängt in der Hütte ein Moskitonetz.

Wenn ihr euch also auf dem Weg macht: dort anhalten und die Seele baumeln lassen und den Gaumen verwöhnen! Geht auch gut einen ganzen Tag lang. Der Sternhagener See ist nebenan und paddeln ist auch möglich. Es ist fast schade, dann doch wieder gehen zu müssen. Es bleiben aber nur gute Erinnerungen.

Berlin-Usedom-Box

Vielen, vielen Dank an die Berlin-Usedom Box Betreiberinnen. Ich fühlte mich selten so herzlich aufgenommen wie bei euch. Ein Ort voller Ruhe und ohne Hektik. Ich wünsche euch sehr, dass euere Box weiterhin eine solche Perle am Berlin-Usedom Radweg bleibt und viele andere Menschen von Mai bis September bei euch vorbeischauen. Ich werde wieder vorbeikommen, ganz sicher…

One thought on “Berlin-Usedom Box

  • ursel sagt:

    schöne fahrt-macht richtig lust auch mal zu machen.
    vor allem die kirche mit zwei flügel! genial.
    ebenso das vegetarische!
    klingt wirklich gut!
    vielleicht machen wir das mal gemeinsam-im ruhestand? oder schon vorher! manche dinge soll man ja nicht verschieben.
    papa

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