Das mit dem Fringsen Bild…

Mir ist bei all dem bewusst geworden, dass ich immerhin schon 10 Jahre einer Zeitung treu bin. Und ja, ich habe versucht über den Tellerrand zu schauen, versuchte es mit dem Freitag als er Donnerstag wurde, hatte irgendwann die falsche Zeitung im Briefkasten und durfte mich durch einen irrsinnigen Blätterwald kämpfen. Das war aber irgendwie immer zu viel des Guten und ich sehnte mich viel zu schnell wieder nach dem gewohnten Format.

Sehr wahrscheinlich ist man mit 10 Jahre täglicher Lesebegleitung ein wenig eingenommen, von dem was man täglich serviert bekommt, da reicht es einen erfahrenen Designer an das Layout zu setzen und einen trotzdem nur sehr langsam von den “Vorteilen” zu überzeugen. Aber man will nicht meckern, sondern versucht diese Arbeit immer zu honorieren. Änderungen sind gut, es kann nicht genug davon geben.

Wenn also die taz sich zum 31. auf den Kopf stellt – hervorragend, ich war gespannt…

Verboten fällt flach… wow… aber ok… zwei Grinser in der Woche fallen flach. Auch die eventuelle Lachattacke. Muss man auf Schwabinger Krawalle verschieben, die werden sie ja hoffentlich nicht kürzen. Das ist nämlich wertvoll, zum Lachen angeregt zu werden. Finde ich jedenfalls, zeichnet eine Zeitung ungemein aus.

Die erste (“Jungen”)Ausgabe zwingt einen, die Zeitung so ganz real und physisch zu drehen. Und ich musste über mich selbst grinsen, als ich nach der ersten Seite die Zeitung aufklappte, und alles falsch herum war und ich mich wunderte. Perfekt, absolut gelungen und mit Genuss darauf reingefallen und inne gehalten. Applaus!

Auch der weitere Inhalt, richtig herum gelesen, erfreut. Themen neben irgendwelchen Aschewolken, die an anderen Orten eher Missachtung fanden, das Netz einmal wirklich spürbar Inhalt der Zeitung, da geben sich endlich einmal online und offline vernünftig die Hand und ergänzen sich und es ist eine Freude, dass die taz ein Versprechen nun endlich eingelöst hat: das Versprechen, die Online Welt in die gesamte Zeitung zu tragen anstatt in eine bestimmte Reihe. (Und ich liebte diese Reihe wirklich sehr, Donnerstag war das glaube ich.) Für das Versprechen braucht es anscheinend die nächste Generation und es schmeichelt dem Online Herz, sich zwischen den Zeilen gut aufgehoben zu füllen.

Die Designumstellungen und Brüche mit den alltäglichen Design finde ich eigentlich nicht zu sehr störend und belastend. Die Änderungen haben den Vorteil, dass man schneller durch die Zeitung hindurch liest, das ging mir immer so bei irgendwelchen Umstellungen. Content verliert erstmal.

Alles toll bis Seite 18.

Das Bild schreit mich an ohne mir irgend etwas zu sagen. Sport, zwei Seiten.

Es gab in der taz mitunter zwei ganz interessante Entwicklungen. Die der Sportseiten und die, der Fernsehvorschau. Da wurde viel gefochten und Meinungen ausgetauscht, die taz machte es gerade beim Thema Fernsehen einmal ohne Programm und dann gleich wieder mit und dachte seitdem manchmal wieder laut darüber nach, es vielleicht doch wieder sein zu lassen, aber mit dem guten Wissen, dass es am Ende einen oder mehrere Generationswechsel brauchen könnte, bis dieser Platz anders gefüllt werden wird. Am Ende wird das sein, wenn Platz kein Problem mehr ist, weil Papier dann wirklich zu oldschool ist. Bis dahin gibt es halt noch mehr Platzverschwendung in Form einer TV Kritik oder Empfehlung, what ever…

Und Sport, Sport verstand sich irgendwann mal als absolute Satire, vor meiner Zeit ging da noch gehörig mehr der Punk ab, wenn ich meinem Bruder glauben darf. Ich bekam die letzten Hinterlassenschaften davon zu lesen, und irgendwann war Sport irgendwie Sport und es gab zu Sportgroßveranstaltungen Sonderausgaben. Alles toll, mehr ungelesenes Futter für die Altpapiertonne, auch wenn das alles gut gemacht ist. Aber da lese ich mir lieber tausend Mal lieber einen Text über den Hubsi und fühle mich beseelter danach, als …

Meine Position ist glaube ich klar. Und ich konnte gut damit leben, diese eine Seite, manchmal zwei einfach zu überblättern, etwas, das man nicht lesen muss, dass ist auch gut.

Und dann eine Seite Foto. Eine ganze Seite Foto. Das sieht man in dieser Zeitung eigentlich fast nie. Werbung vielleicht noch. Aber Foto. Kurz drängen sich einem wieder die Verlustdepressionen des täglichen “Augenblicks” in das Gedächtnis. Das wären fast immer Fotos gewesen, die man auf eine ganze Seite hätte packen können. Keine großen Agenturen, oft einzelne Fotografen. Ich liebte die taz allein nur für den “Augenblick”, den sie mir jeden Tag schenkte, das war wundervoll und es tat richtig weh, die taz nicht mehr zuerst aufzuklappen und nachzuschauen, was der heutige Augenblick wohl ist, sondern einfach mit der “stupiden” Lektüre der Seite 1 zu beginnen. Es gibt den Augenblick noch, eine Reminiszenz an was einmal war, im dichten bunten Urwald der Sonntaz. Nein, das tut eigentlich jedesmal nur noch weh.

Umso größer wäre die Freude, eine ganze Seite einem Foto zu widmen, dass einem Augenblick würdig gewesen wäre. Das wäre Stil, das wäre Klasse und es hätte wahrscheinlich ein klein wenig Aussage, oder man könnte immerhin die Seele baumeln lassen. So kreischt einen ein Bild einer Fringse an, gekauft von AP, tolle Wurst. Das allein macht mich so schon sauer, als Freund von Fotografen, die es wirklich einmal verdient hätten, eine ganze Seite zu bekommen, wenn man es an dem Gehalt  der Fringsatzenseiten misst.

Das ist so innovativ wie das Ostergras auf meinem Balkon, senkrecht in die Fresse.

Und ich frage mich, was das soll. Wtf, 2 Seiten Sport und eine davon mit einer dämlichen Visage irgendeines Sportlers? Kommt übermorgen dann das Portrait einer Soldatin an der Front? Brauchen wir mehr Identifikationsfiguren in dieser Zeitung als Portraitbild?Oder ist der Kerl extrem hübsch? Und das vielleicht eine eher weibliche Form mit dieser Rubrik umzugehen? Satire, die ich nicht verstehe? Eine eigentliche Reminiszenz an die damaligen Sport Seiten? Wie bekommt man eine Seite möglichst sinnlos befüllt? Hat der Kerl irgendwas tolles angestellt? Bekommt einen Nobelpreis für sein ausdrucksstarkes Finger in de Kamera strecken können?

Was will die junge Redaktion mir mit einem solchen Bild sagen? Ich kann nicht so ganz verstehen, was.

Schade, diese Seite war so nicht einmal zum Überblättern geeignet. Sie drängt sich mir auf ohne mit mir etwas anzufangen.

Ihr könnt das besser und habt hoffentlich noch mehr zu sagen!


(link zu bild um das es geht: fringse – nur noch in schwarz weiss, aussschnitt des oberkörpers vorstellen)

4 thoughts on “Das mit dem Fringsen Bild…

  • Frank Greiner sagt:

    Zwei kleine Hinweise: 2 Sportseiten sind keine Erfindung der “jungen” taz, die gab es auch vorher schon. Und AP-Fotos hat die taz quasi als Flatrate – das lässt sich also nicht so richtig vergleichen mit dem Fotografenhonorar. Ansonsten kann man Ihre Meinung so stehen lassen. Auch wenn man sie vielleicht nicht in allen Punkten teilt.

  • für die flatrate legt die taz aber auch geld hin… und es würde mich ja gerade eben freuen, dort kein AP Bild zu sehen. Wenn man die Bildpreise der taz kennt, dann weiss man ein solches Fotoformat für einen “Individual” Fotografen sehr zu honorieren! Da würde sich jemand freuen…

    Und nur weil man Flatrate hat, muss es eben nicht Vollformat sein, wenn es keinen Mehrwert bietet. Mit einem Fotografenhonorar verbunden, würde man sich diesen Schritt am Ende besser überlegen…

    Echt, sind inzwischen 2 Sportseiten durchgehender Standard? Sorry, wenn es so rüberkam, als ob die junge Redaktion das ausgeweitet hat. Wie gesagt, es ist mir auch schon ab und an aufgefallen, nur leider diesmal vehement, wie viel wertvoller Platz “verschenkt” wurde.

    Und es ist definitiv nur eine Meinung zu einer Ausgabe. Ich habe versucht, durchsickern zu lassen, dass ich trotz dieser Kritik die “junge” taz sehr gelungen fand, bis auf diesen einen massiven Schnitzer.

    Ich bin mir sehr gewusst, dass meine Meinung zu Sport, Fussball oder Tatort nicht unbedingt auf Gegenliebe stösst, aber ich betrachte sie immerhin als vertretbare Meinung…

  • der Pikaya Frank Greiner?
    Wenn ja, welche Ehre…

  • Frank Greiner sagt:

    Nur montags Standard. Aber da halt. Und dass ich die Meinung für absolut vertretbar halte, sollte eigentlich rüberkommen, wenn nicht, dann jetzt.

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