Schatten der Vergangenheit

Wir hätten gerne, dass sie stets hinter uns liegen.

Doch Leben ist mehr ein Gang unter Strassenlaternen, oder mitten in einem Fussballstadion zu stehen. Entweder wandert der Schatten, oder er ist überall um einen herum. Anstatt ordentlich uns den Rücken frei zu halten und in gewisser Weise vorwärts zu jagen, stellen sich die Schatten der Vergangenheit gerne frech in den Weg, versperren den Blick auf die Stolpersteine, die überall herum liegen.

Bilder, die sich festgebrannt haben, deren Geschmack sich wenig ändert über die Jahre hinweg. Und immer wieder treiben die Schatten einen, den einen oder anderen Weg noch einmal auszuprobieren, die Orte aufzusuchen, deren Bilder man in sich trägt. Oder vielleicht treibt man auch die Schatten dorthin, wer weiss.

Es kann passieren, dass man dann zum Beispiel in seinem ehemaligen Schulgebäude landet. Und das ist immer noch so, wie man es verlassen hat. Nur vielleicht dunkler, als man dachte. Dunkler im Sinne von Licht durchflutet vielleicht. Vielleicht aber auch dunkler, weil die Erinnerungen heller waren (was nur, wenn die Erinnerungen schon dunkel waren?).

Oder auf Wegen, die man einmal oft gegangen ist. Mit der Frage in sich, wie so wenige Emotionen auf wenigen Metern oder Kilometern so auf Dauer Platz haben, ohne dabei zu bedenken, dass man am Ende nicht der einzige ist, der diesen Weg geht, gegangen ist, gehen wird.

Vielleicht ist das eine instinktive Strategie der Verwirrung der Schatten der Vergangenheit. Bevor sie einen zu sehr verwirren, verwirrt man sie lieber selbst. Schliesslich wissen die Guten bei so einem akuten Durcheinander von Vergangenheit und Gegenwart auch nicht mehr so genau, wohin mit sich. Das erklärt mir zu mindestens die relativ emotionslose Haltung, die man dabei irgendwie hat.

Noch nicht durch das Schulhaus oder den alten Schulweg gelaufen?
Das Haus der/des ersten Freundin/Freundes besucht?
Vor einem ehemaligen Wohnort gestanden?

Sollte man gemacht haben, ruhig auch mehrmals. “Ah ja, sie schreiben immer noch nur den Ersatzplan per Hand | Ah, das Haus da ist neu | der Bahnhof wird endlich neu gemacht | und überhaupt, sah das schon immer so grausam grau und beschissen aus hier?”

“Erwachsen werden”, heisst vielleicht lernen, dass es sehr viele Wege gibt, alle vollgestopft mit Emotionen bis zum Rand. Und im Idealfall hat man mehr als einen zu sehen bekommen. Aber wie sagte mein Deutschlehrer schon: “er versteht ja nicht, warum alle ehemaligen Schüler in der Lehrerausbildung zum Referendariat an die ehemalige Schule zurückkehren.” Ich vermute also schlimmes. Am Ende läuft manch einer den Schatten so lange im Höllentempo davon, dass er nicht mitbekommt, dass er immer den gleichen Weg geht.

Schließlich tun wir das alle schon mehr als genug: gewohnte Wege gehen. Ist auch definitiv einfacher und nicht so sehr anstrengend. Zu mindestens auf den ersten Blick…

Ich erhielt im zarten Jugendalter eine sehr lehrreiche Führung zwischen Vergangenheit und Gegenwart: Ich wurde durch unser ehemaliges Haus geführt. Bewohnt von einem Ehepaar ohne Kindern. Da gab es Frauenzimmer, eine Bibliothek, der Billard hätte in den Keller gepasst. Platz ohne Ende. Und ich war absolut geschockt. Das Ehepaar hatte in meinen Augen den größten Frevel getan: es hat meine Vergangenheit neu besetzt. So, don’t do that! Nicht, wenn nicht ein mächtiges Verlangen nach Vernichtung festgebrannter Bilder existiert.

Auch vermeiden sollte man Auskünfte über frühere Wohnungsbewohner einzuholen. Man will nicht wissen, dass eine Oma in der nun frisch renovierten Wohnung gewohnt hat und nach zwei Tagen im Hochsommer tot auf dem Sofa auf den Teppich gefallen ist und sich dort angenehm verewigt hat. Unverwechselbare Duftnote, man würde Bescheid wissen, wenn bei der richtigen Temperatur wieder so ein gewisser “Omi” Geruch auf kommt.

Im Idealfall machen die Schatten der Vergangenheit eine Begegnung mit der Abrissbirne. Ich weiss jedenfalls sehr zu schätzen, dass das Haus meiner Jugend in absehbarer Zeit abgerissen wird. Das ist der beste Kompromiss, den ich mir vorstellen kann, um die all die Geister und Emotionen frei zu lassen und sich nur noch auf die eingebrannte Bilder verlassen zu können. Die dann nicht mehr verifizierbar sein werden. Kein Besuch des ehemaligen Hauses könnte sie an dem Punkt mehr in Frage stellen. Und das ist toll! Nicht das ich ein unglaubliches Verlangen in mir trage, die Abrissbirne anzusetzen. Es gibt bestimmt Menschen, die es weitaus mehr dazu drängen könnte. Es erscheint mir lediglich eine unglaublich pragmatische Lösung zu sein. Nahezu elegant…

So eine Abrissfirma mit Abrissbirnen in verschiedenen Größen für emotionalen Ballast, bzw. Schatten der Vergangenheit, das ist eine definitive Marktlücke, die noch eine Weile bestehen wird. Ich bin mir nur verdammt sicher, es wird ein Nerd sein, oder eine große Ansammlung von Nerds, die dieses Problem irgendwann angehen und lösen werden. Und es wird daran gearbeitet, ha …

Brain Hacking:

Und tausende toller Google Ergebnisse dazu mehr… Hammer, das wird noch ein feiner Trip.

The upshot of it is, you pump the sound into your brain via your ipod, and you sleep deeply or just relax, feel like you’ve had too much coffee, generate lost time, or even like you’re getting a tooth drilled. And yes, there’s also sexual stimulation, sexual simulation, and LSD simulation

Simulation! Ha… ich bin so was von ein alter Sack, so macht das also inzwischen die Jugend, Komasaufen war gestern, Sound Pumping ist der nächste Trend. Dann sollte das mit der Abrissfirma ja bald Realität sein (und sexual/lsd simulation gibts dann gratis obendrauf, der generelle Akzeptanz der eigenen Vergangenheit Bonus wird ja sowieso inklusive sein).

Klasse, endlich wieder mehr Perspektive im Leben!

{So, Google ist nun auch wieder zufrieden, bekommt er doch wieder die richtigen buzz words geliefert…}

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>