Musikalische Alltagsuntermalung

Ich hätte gerne die Worte gefunden, um zu umschreiben und in Worte zu fassen, was nicht in Worte zu fassen ist. Vielleicht wie etwas sagen zu wollen, und nicht sagen zu können. Vielleicht wie miteinander zu reden, und ausser leeren Worthülsen nicht die passenden Worte zu finden. Vielleicht wie am Klavier zu sitzen, und die Sprache der 88 Tasten nicht sprechen zu können. 88 Klingt nicht viel, ein überschaubarer Horizont, den man bespielen kann. Und manchmal sind es doch schon 87 Möglichkeiten zu viel, die einen auch darüber verzweifeln lassen können, welche Taste man als nächstes benutzt.

88 Tasten sind eine unglaublich große Menge an Freiheit. Mehr als einen lieb sein kann. Mehr als man je in seinem Leben entdecken und genießen kann, zu begrenzt ist man all die Möglichkeiten frei zu entdecken. Lieber spielt man die Melodien, die man kennt. Und akzeptiert , dass die großen Momente der Freiheit selten und rar sind. Aufnehmen und konservieren lassen sie sich sowieso nicht, sie verweigern sich einfach strikt dagegen. Es bleibt einem nur, in einem solchen Augenblick zu schwimmen und nicht die Worte dafür zu suchen. Und zu akzeptieren, dass all die anderen Momente, die man nach einem solchen wartet oder sich daran probiert, den Alltag ausmachen.

Das ist so, wie wir Menschen jeden Tag miteinander reden. Viel Füllwerk. Viel Probieren. Aber irgendwie ahnend, dass selbst wenn wir es getroffen haben, das Wort nur eine Beschreibung bleibt. Und weil wir es so gewohnt sind, haben wir vergessen darauf zu achten, wie der eine Satz oder das eine Wort klingt, oder könntest du nach einem Satz ganz sicher sagen, wie er geklungen hat? Du glaubst, du hast eine Vorstellung, eine Idee maximal, aber du wirst nicht sicher wissen, wie er wirklich geklungen hat, vor allem nicht mit fremden Ohren.

Es ist eine verdammte Seltenheit, das man sich selbst zuhören kann, wie man Klavier spielt, während man es gerade aktiv macht. Bestimmt so selten, wie man einem Menschen gegenüber ist, und sich denkt, ich habe nun all die Worte gesagt, die ich sagen wollte, und sie klangen alle so, wie sie sollten.

Leben ist eher ein Bad in einem Ozean von ungesagten Wörtern, deren Klang man nie gehört hat, weil man sie nie ausgesprochen hat.

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Ein wenig musikalische Alltagsuntermalung?:

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