Bass

Bass wummert. Die Beine vibrieren. Der Kopf wird zwischen den Bässen eingeklemmt und ihm bleibt nichts anderes übrig, als sich einnehmen zu lassen. Es braucht mächtige Musik, um das zu schaffen, um die Beine in die Hand zu nehmen und stampfen zu lassen. Viele Gesichter, die alle aus einem anderen oder ähnlichen Grund zwischen den Rauchstreifen der Lichtkegel einen kurz begegnen.

Es ist nicht so schlecht, wenn der Kopf eingeklemmt bleibt, die Musik einen durch den Abend peitscht und irgendwann später wieder mit müden Beinen in den Tag entlässt. Es ist ein sonderbarer Moment des “da” seins. Ein Loslassen der seufzenden Gedanken.

Und es rückt manch ungerade Sache wieder gerade. Man vergisst, den Sinn zu suchen, stampft sich seinen Weg durch eine Nacht. Man kann dann wunderbar herrlich in die Sonne blinzelnd nach Hause fahren und alle die Fragezeichen in der Welt stehen lassen. Sie haben dann ihren berechtigten Platz in der Welt, die passt einmal für einen kurzen Augenblick. Man sollte das Gleichgewicht zwischen sich treiben und treiben lassen möglichst genießen, das wird bald wieder schwieriger sein…

Es gibt bestimmt viele Argumente, nicht alleine wegzugehen, und es gibt wahrscheinlich nur sehr wenige Argumente, es alleine zu tun. Das Stampfen ist weitaus einfacher alleine zu zelebrieren, sich nicht auf irgendwas anderes zu konzentrieren, als das Brummen im Bauch und den Beinen. Ein bekanntes Gesicht kann dabei verwirren, ablenken, in einen Gedankenstrudel verheddern, der dann nicht rein egomanisch ist. Fühle mich auch schnell überfordert, weil gemeinsam zu stampfen gar nicht so leicht ist, und nicht unbedingt so viel mit einem gemeinsamen Tanz zu tun hat. Wenn dann das gemeinsame Zelebrieren des eigenen Drecks. Nicht, dass das komplett unmöglich ist, aber ich wäre mir immer sehr unsicher und zurückhaltend, inwiefern ein Mensch schon seinen Dreck entdeckt hat, geschweige denn, ihn zu zelebrieren. (Dafür ist es mit Menschen, bei denen man weiss, dass das sehr gut geht, umso feiner!).

Und manchmal ist man einfach viel zu feige, um es überhaupt auszuprobieren. Man grübelt vielleicht hin und her, ob es ein Versuch wert wäre, lässt es dann aber lieber mit der Entscheidung sein, all diesen Kopf Wirrwarr durch ein wenig gewohntes Stampfen für ein paar Stunden hinwegzuschieben. Vielleicht ist es auch die Angst, dass es gemeinsam ganz gut hinhauen würde, und man am Ende das Erlebnis alleine nicht mehr vermissen würde … nerver change a running system!

So lässt man sich treiben und treibt sich, immer wieder den Kopf zwischen Bässen eingeklemmt. Die Qual ausstampfend, so gar nicht mehr zu verstehen, warum es das Leben so mit einem treibt… weit davon entfernt, für einen Menschen, der das so gar nicht verstehen will, noch Empathie aufzubringen.

Glück ist relativ und die Vermutung, dass “Glück”, wenn überhaupt, nur fleissig erstampft werden kann, wächst von Minute zu Minute, die man auf dieser Welt verbringt. Der Mensch arbeitet langsam und muss lange stampfen, bis er im Takt der Musik fest steckt. Für meine Unfähigkeit, es nicht schneller gekonnt zu haben / zu können, möge eine leise Entschuldigung an dieser Stelle stehen.

Bleibt aber der Motor, dass Stampfen nicht sein zu lassen, und Abende wie dieser, Balsam für die Seele…

Edit: Das Lied dazu wäre Lovefood von Michael May im Remix von Matias Aguayo – Kostprobie hier

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