Bauchgefühl, Baby!

Man sollte den Rat der Eltern folgen, sollte man. Bauchgefühl. Mann. Yeah, Baby! Und ich fühlte mich unglaublich erwachsen, als ich zurück fragte, ob man denn dann noch einen Tipp in Petto hat, wie das denn genau gehen soll, oder könnte, eine Idee, vielleicht. Erwachsen, weil man wusste, dass das diese Art von Fragen an Eltern ist, bei denen man nie und nimmer eine vernünftige Antwort bekommt, bei denen man schon beim Fragen zu spüren bekommt, dass das mal wieder eine Frage sein wird, die man sich brav selbst beantworten darf.

Wenn der Herr Doktor den Bauch massiert, dann schmerzt das meist ungemein, und es bleibt ein drei tägiger Muskelkater der besonderen Art. Er schaut dann immer sorgenvoll und erzählt fleißig skurrile Geschichten dabei während man sich selbst in Mordgelüsten hin- und herwindet. “Ich kann auch nur meinen kleinen Finger nehmen” … und das Bauchgefühl schmerzte immer noch genug. Bauchgefühl. Jaja.

Wenn im Club der Bass den Magen arbeiten lässt, das ist sozusagen auch Bauchgefühl, jaja. Schläge im mindestens 120 Bpm Takt. Die sitzen im Idealfall genau in der Magengrube und breiten sich dann wabbernd in den Rest des Körpers aus, lassen Füsse stampfen und den Kopf in die Klemme nehmen.

Ansonsten, grummelt er, wenn er nach Nahrung schreit. Auch Bauchgefühl.

Beim Rest des Ganzen sitzt das Bauchgefühl brav im Kopf. Und hofft, das der untere Teil brav Ruhe gibt.

Anders wüsste ich auch nicht, wie man das meiste ertragen sollte. Ich wüsste nicht einmal, wie ich mit Bauchgefühl ohne mehrmaligen Kotzreiz so etwas wie eine Topmodel Final Show im Fernsehen überleben sollte. Und sie bekommen es wirklich hin, trotz all ihrer Werbeausreizungen und möglichst dämlichen Textkommentaren, so etwas wie Empathie zu erzeugen. Das ist so groß inszeniertes Drama Theater, dass es nur noch rein orgastisch daher kommt. Darauf folgende Interviewsendungen sind eine wundervolle Bloßstellung dieser Bauch/Hirnpenetration der besonderen Art. Nachdem alle abgespritzt haben und das Konfetti flog (nein, nein, unbedingt die Musik laut anlassen, sonst klappt das nicht!), wirkt das wie eine Frau im Bett, die danach hyperaktiv herum hüpfen würde: “Das war so toll, ich kann es immer noch nicht fassen” – “Können wir noch einmal das Publikum hören?” – keiner gröllt (Muskelerschlaffung vielleicht).

Bauchgefühl, Baby. Und Drama.

Es erscheint mir eher eine reine Notwendigkeit, das Bauchgefühl in den Kopf zu verlagern. Schutzmassnahme. In einer Welt voller Dramen. Und weil wir es nicht ertragen, uns den eigentlichen Dramen zu widmen, inszenieren wir am laufenden Meter künstliche Dramen und schicken Sie hinaus in die Welt. Die können wir dann auch als DVD kaufen und zu Hause anschauen. Den kleinen Superorgasmus im perfekten Remake. Anschauen, explodieren, milde lächeln und zufrieden sein.

Bauchgefühl… ist mir noch am nähesten, wenn ich durch die Strassen laufe und andere Menschen kurz sehe, während sie mit ihrem eigenen Drama unbewusst oder bewusst beschäftigt sind. Ihre Meter hohen Wände und Schutzwälle um sich haben. Man kennt seinen eigenen und ahnt die anderen.

Man weiß um das Bauchgefühl, man versteht, warum die Mutter bei der Frage ins Witzeln verfällt. Wir alle wissen um das Bauchgefühl, wissen um den Schmerz, der da sitzen könnte. Wir wissen um die Macht des Kopfes. Und wir glauben daran und sorgen dafür, dass es so bleibt… (ansonsten würde ja alle am Ende den Fernseher ausgeschalten lassen, keine anderen Drogen mehr konsumieren und ganz unbedingt freie tolle Menschen sein).

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