Apr 7 2009

Coderempfehlung

Eine Empfehlung zum coden, manch einer findet das ja unmöglich und schadet der emotionalen Gesundheit lieber mit einem Radiosender. Geiler Code braucht orgastischen Sound – Here you go:

The Bad Plus - 1980 World Champion (nicht die beste Soundqualität, leider)

Das Finale auf dem Album “Prog”. Mehr hier.
“Everybody wants to rule the world” sollte man sich zum Abkühlen gönnen.


Apr 7 2009

Bootcoder

Es gibt so Tage, an denen ist das Denken leichter Natur. Man könnte sozusagen zum Denken ein Liedchen pfeifen. Vor allem steht man sich nicht selbst im Weg, das ist alles “ein Fluss”. An solchen Tagen lächelt man andere Menschen in der S-Bahn an, schaut aus dem Fenster und lässt Gedanken an sich vorbei ziehen, blinzelt in die Sonne, geht seine alltägliche Wege und es passt alles so wie es ist. Momente der lustvollen Erfüllung von Begehren, Wünschen oder Sehnsüchten. Es sind beneidenswerte Momente, so unglaublich flüchtiger Natur.

Und es gibt so Tage, die sind ganz anders. Man wacht auf und setzt wenig später den Schädel auf den Restkörper. Sozusagen wie eine Maschine in Betrieb nehmen. Und an solchen Tagen, ja da würde ich sozusagen das Bild bemühen, dass die Maschine unter Windows läuft. Das ist kein Mac Tag, kein lächelndes Gesicht beim Hochfahren und ein warmer Gong, sondern LSD Farben Power und idealerweise davor eine Menge Code über den schwarzen Hintergrund flizzen. Bootcode, der erst einmal in den Kopf muss. Da sind sie wieder, die guten alten Wünsche und Sehnsüchte. Wie bei Bootcode üblich, schwer verständlich. Man muss schon ein Freak sein, nein ein Nerd, um sich darum zu kümmern. Und es sollte möglichst so sein, dass das mit dem Bootcode gut klappt. Bloß nicht darin hängen bleiben, das hat fatale Folgen für den Tag, schließlich ist so ein Reboot nie ohne einen Haufen Schrott, den man hinterlässt und wieder wegputzen darf, möglich. Aber gehen wir davon aus, dass mit dem Bootcode haut normalerweise hin, das haben wir geübt, wir wissen wie diese wichtigen Routinen funktionieren, Schädel aufsetzen und frühestens beim Zähneputzen anfangen nachzudenken. Dann übernimmt Zähneputzen die Funktion des Systemaufbaus. So wie das bei einem Windows üblich ist: ein paar Icons, wow ich sehe etwas, und dann diese Fehlermeldung von unten rechts direkt ins Hirn: ihr System ist gefährdet. So ungefähr, hey Meister, schön dass wir das mal wieder hinbekommen haben mit dem Hochfahren, aber du weißt ja, es hat gerade erst angefangen, und heute wird noch einen Haufen mehr Scheiße in dein niedliches kleines Hirn eindringen wollen und das mit der Firewall, du weißt ja, die war gestern und die letzte Zeit unter Dauerbeschuss, und die haben wir vorsorglich in Quarantäne Modus geschaltet. Und das mit den Viren, bei dem Dauerbeschuss gerade, dem du dich aussetzt, du weißt, ich will ja nicht schwarzmalen, aber…

Um es abzukürzen, dass sind Tage, an denen man eigentlich sofort wieder ausschalten will und weiß, da muss man jetzt durch. Man versucht, sich nicht all zu oft die Frage zu stellen, wie das wohl andere Menschen machen mit ihrem Kopf und ihren Gedanken. Warum nicht überall gesprengte Köpfe herumlaufen, die hier und da einfach vor sich hin schreien, sondern einem einfach still begegnen, vorbeihuschen, und einen Gedanken bis zu Geschichte hinterlassen. Man fragt sich, wo all die Menschen sind, die sich mit Bootcode oder Binärcode beschäftigen, eigentlich müssten das ja doch alle tun. Aber dafür laufen sie alle viel zu straight durch die Welt. Und Arbeiten an der Ursuppe… das ist nicht straight. Das ist vielmehr try & error. Das ist vielmehr sehr oft Dinge ausprobieren, von denen man keinerlei Ahnung hat, was sie eigentlich tun und machen oder welchen Sinn und Effekt sie haben. Umso feiner, wenn man meint, etwas verstanden zu haben, aber einen Fehler zu verstehen, heißt noch lange nicht, ihn behoben zu haben. In Entwicklersprache ausgedrückt: Es wimmelt von workarounds im menschlichen System. Und irgendwann wird man vielleicht für das ein oder andere Problem eine Lösung finden und sich unglaublich weise dabei vorkommen, des Rätsels Lösung gefunden zu haben. Kann aber durchaus so sein, dass man nur einen weiteren Workaround für ein ganz anderes Problem geschaffen hat. 

Das Problem zB mit den Wünschen und Sehnsüchten. Das ist ein ewiger Kreislauf von Workarounds. Und man sollte bloß nicht meinen, verstanden zu haben und die Lösung darin zu erahnen, dass das System schließlich laufen muss, ergo Energie braucht, die zB gut bei Reibung entsteht. Sozusagen der Selbsterhaltungstrieb des Systems an sich. Wenn nicht sogar Optimierungstrieb. Deswegen sollten sie ja auch brav unerreichbar bleiben, bzw dynamisch mitwachsen, die Wünsche und Sehnsüchte. Und es käme mir gar nicht anders in den Sinn als es mir dann System immanent vorzustellen. Dass muss also in jedem Menschen von Natur aus enthalten sein. Und schon hier könnte man den Workaround bemerken… aber besessen von der eigenen Idee übt man sich fleißig weiterhin darin, für genügend Energie zu sorgen. 

Und darf sich oft wundern, wie das andere Menschen machen. Kämpfen die nicht um das scheinbar Unerreichbare? Wollen Sie nicht genau dahin, was so weit und fern erscheint? Begehren sie nicht die Spiegelbilder ihrer selbst, die sie in anderen Menschen erahnen? Und wie halten sie nur das Begehren festklammernd an einem Zustand aus? Lieben sie sich wirklich schon selbst, wenn sie sagen, dass sie jemand anderen so sehr auf ewig lieben? Und wenn ja, wenn, das bei allen Menschen doch gleich ist, warum ist es dann so verhalten ruhig auf dieser Welt…

Es reichen doch schon unglaubliche Kleinigkeiten, um für ein bisschen Unglücklichkeit zu sorgen. Es braucht keine Anleitung dazu. Müsste doch ein jeder sehr gut können.

Ich kann das fabelhaft gut jedenfalls!

[So lange dabei Musik abfällt, soll es am Ende recht sein. Und ich verstehe inzwischen auch Yann Tiersen. Musik ist wiederverwertbar. Das ist auch so ein workaround, man kann Musik sozusagen als reinen Energieausdruck verstehen]

 

Aber zum Glück gibt es ja aber tolle Fehlermeldungen beim Zähneputzen. Je älter man wird, desto lustiger wird es, sich bei seinen eigenen Wegen und Workarounds zu beobachten. Man meint auch irgendwie, einen möglichen Sinn dahinter zu finden. Man beobachtet sich sozusagen, wie man einen schönen fetten Eintrag in die Registry vornimmt, im guten Wissen, dass das nicht gut gehen kann, eigentlich. Aber hey, es gibt da diese Möglichkeit, die Pflicht des Bootcoders, dass es klappen könnte, dass das alles auf einmal einen Sinn macht und so funktioniert, wie es soll. Und am Ende sogar die beschissen Warnmeldung am Anfang weg ist. Wäre ja was… wäre ja schon fast Mac. Und immerhin, man hat es versucht… mit der Utopie…

Man soll mir nicht vorwerfen können, dass ich es nicht versucht hätte! [das ist gtd in Reinform!]

[und wers versteht, sollte sich angesprochen fühlen]


Apr 3 2009

Das mit den Männern und den Gefühlen…

Blogs sind Orte zum Ausprobieren, wie zB eine Schülerzeitung auch. Und auch mit Schülerzeitungen ist das so ein Ding. Ich erinnere mich lebhaft daran, wie es einer Gruppe von sehr jungen “Männern” versuchte, alles bis dahin dagewesene in den Schatten zu stellen. Eine feine Schülerzeitung im Offset Druck auf Glanzpapier anstatt aus der eigenen Schuldruckerei. Mit einigen Seiten und richtigen Artikeln, Meinung am Ende, Redaktionskonferenzen und alledem. Die Erstausgabe bekam dann sogar einen Preis. Irgendwann fuhr ich aus Lust und Laune auf ein Schülerzeitungsseminar und lernte, wie das geht, über irgendetwas innerhalb kürzester Zeit mit einer begrenzten Anzahl an Zeichen etwas aufs Papier zu bringen. In drei Tagen wurde eine Zeitung von 30 Menschen aus dem Boden gestampft und man hatte genug Artikel geschrieben und sich von fiesen Professionellen reintreiben lassen, bis der Kopf nur rauchte. 

Das Seminar war das letzte und einzige, dass ich jemals bezüglich des Schreibens besucht habe. Und mir lag auch nicht so viel daran, zu irgendetwas irgendetwas zu schreiben. Aber man wurde recht schnell dahin gebracht, wie das so funktioniert, wie man managt. Und es waren in der Schülerzeitung alles hauptsächlich “Männer”, die gemanagt haben. “Frauen” schrieben Artikel über Schul interne Dinge, Exkursionen, Projekttagen, was da immer anstatt. Männer wurden wohl auch darin bestärkt, sich in diese Rolle hineinzufinden. Und in Schreibseminare bekamen sowohl Mann als Frau das Schreiben von irgendetwas über irgendetwas beigebracht.

Das Schreiben über Gefühle… Tagebücher schreiben, das ging sowieso nicht. Und ich wüsste nicht, wann das im Deutschunterricht dran war. 7 Klasse? Man verzeihe mir mein Gedächtnis. Aber soweit ich glaube, waren Gefühle in Textanalysen eher höchst unangebracht. Mein Deutschlehrer kritisierte am meisten an meiner Abiklausur, dass darin eine persönliche Anrede an den Autor des zu analysierenden Textes enthalten war. Eine, die das Gefühl von Entrüstung zum Ausdruck bringen sollte. Auf die Zeile war ich besonders stolz, sie war leider nur 4 Punkte wert. Und insgeheim fand mein Deutschlehrer sie vielleicht doch gut, aber er fand es scheiße, dass ich mir damit meine Note versaute, weil ich die formellen Dinge nicht beachtet habe. Ich grinste und war glücklich. 4 Punkte waren mehr als nötig um sich von dem Lehrer freudig zu verabschieden und in die Sonne zu spazieren.

Gefühle sind zu managen. Über sie zu schreiben… am Ende eine Unsicherheit.

Und das mit dem managen. Emotionen und Gefühle und all das. Ich merke zu mindestens an mir, wie es sich mit den Vorbildern verhält, die man da in sich trägt. Ich wäre vorsichtig, es so auf andere Männer zu übertragen, aber wo möglich gibt es Parallelen. 

Als Beispiel möge das Begräbnis meiner Oma dienen. Es war mein Vater, der mir die Nachricht von dem Tod überbrachte. Er saß neben mir im Bett als ich aufwachte. Das Gefühl sprang einem mitten ins Gesicht. Vater sitzt nicht einfach so neben einem im Bett und weckt einen. Er sagte dann das, was das Gefühl schon sagte. Er nahm mich in den Arm und ließ mich weinen. Später waren wir drei Kinder im Wohnzimmer, während Vater und Mutter im Esszimmer die Begräbnisformalitäten erledigten. Mein Vater war ruhig, er bekam das gemanagt, es bebte nicht allzu sehr in ihm, die Schale war stabil und strahlte Ruhe aus. In der Mutter bebte es, die verlorene Mutter trieb ihr immer wieder Tränen in die Augen. Sie wirkte gebrochen. Es vergingen wenige Tage, ich wurde von einer Klausur in der Schule auf die Beerdigung gefahren. Dann saß ich direkt vor einem Sarg, ich hätte meine Hand auflegen können. Das war der Augenblick, wo es mich zerissen hat, meine Brüder ebenso. Es klimperte ein Keyboard, was mich wütend machte, meine Oma mochte schließlich Klavier und besonders Ballade pour Adline von Claiderman. Keine Ahnung, wie es in dem Augenblick meinen Eltern ging, ich hab kein Eindruck mehr davon im Kopf. Der Leichenschmaus war befreiend, so pervers es klingt. Als wir zu Hause ankamen, spielte ich mit meinem Vater Abends Schach. Meine Mutter lief eine Zeit lang sinnlos hin und her bis sie sehr impulsiv in Tränen ausbrach. Vater managte das gut, er blieb ruhig, versuchte da zu sein, inwiefern es ihm gelang, kann ich schwer sagen. Ich war ziemlich perplex, dass ruhige Schachsiel passte, war nicht falsch, es war angenehm, nicht alleine sein zu müssen. Und es war eine klare Ebene, man hatte etwas zum Nachdenken. Mutter hatte das nicht mehr. Es war alles gemanagt, was gemanagt hat werden müssen. Und in dem Augenblick kam etwas durch, was wie ein unglaublicher Schmerz auf mich wirkte, der zerreißt und eine Kluft zeigt, die bisher so nicht sichtbar war. Auf einmal war das Schachspiel eine Situation der Gefangenheit. Ich fühlte mich unglaublich falsch in dem Augenblick. Wie konnte ich nur Schach spielen während in einem Menschen so etwas passierte, was man davor schon ein wenig spüren konnte? Ich wusste nicht wirklich gut zu reagieren, und war meinem Vater durchaus dankbar, dass er etwas tat, irgendetwas, und nicht Schach weiter spielte.

Ich weiß nicht, ob bei meinem Vater ein solch Ausbruch nach aussen (also kein Einbruch) haben wird. Vor allem nicht bei dem Thema Tot, dafür hat er am Ende den Prozess viel zu oft durchleben, aushalten und wahrscheinlich vor allem “managen” dürfen. Ich kann mich an keinen Ausbruch erinnern, und ich  habe es auch nur einmal geschafft, ihn rasend wütend zu machen und hinter mir herrennen lassen. Ich habe ihn oft gefragt, wie er das eigentlich aushält, mit all den Leuten, die ihn den ganzen Tag vollseiern mit Problemen und Geschichten. Ich fand das schon strange genug, wenn man ans Amttelefon ging, mit Nachnamen meldete und eine Lebensgeschichte erzählt bekommen hat, oder die Menschen vor der Tür, wo es jedes Mal richtig schwer im Gefühl wurde. Keine Ahnung, wo er seine Wut und Aggression lässt, er joggt sie wahrscheinlich raus, so lang, bis der Knöchel kaputt ist. Vielleicht hat er den Jesus am Kreuz auch schon einmal angeschrien. Ich hab das nie mitbekommen. Zu seinem Bild würde eher passen, dass er sich selig und ruhig in die erste Reihe hockt, die Ruhe genießt und sich ein paar Gedanken macht. Er hat nicht geschlagen und seltenst geschrien, er hat bis zur Vergasung diskutiert und man konnte ihn auf die Palme bringen, aber nie zur Explosion. 

Ich habe lange studieren können, wie das mit dem managen geht. Ich hab sogar ein richtiges Studium aufgesattelt, um mich an dem Punkt zu “professionalisieren”. 

Und soweit ich mein Umfeld einschätzen kann, kommen sehr viele aus guten Managerfamilien, wo das mit den Emotionen und Gefühlen klar geregelt ist (auch und vor allem vom Verhältnis weiblich/männlich). Und es ist durchaus ein Reifeauszeichnung, sich genau an dem Punkt managen zu können. Ein Mann, der in Extremsituationen belastbar ist und seine Gefühle unter Kontrolle hat, der ist einiges wert. Egal in welcher Branche, das wird gerne gesehen. Ich würde da sogar ein gefühltes proportionales Verhältnis zwischen gefühlter Männlichkeit und eigenem Management vermuten. Und als steife These obenauf: darüber zu Schreiben, gleicht nur einer Verunsicherung des Managements. Denn das würde bedeuten, erst einmal zu dem Nichts zu stehen, dem weißen Blatt, der Unsicherheit. Und sich damit zu beschäftigen, was man so tunlichst verdrängt. Einigen sind Gefühle und Emotionen am Ende auch mind. einmal im bisherigen Leben als Waffe begegnet. Sie wussten zB nicht, was sie auf die Frage antworten sollten, ob sie denn jemanden vermissen würden. Der Manager denkt sich: Abteilung Gefühl und Emotion ist zuständig, trotzdem die Verteidigungsabteilung aktivieren, wir brauchen positive Öffenlichkeitsarbeit und zur Not einen Exit Plan.

Gefühle sind nicht so einfach. Sie könnten ja auch unangenehm sein. 

Und mann ist froh, so lange nicht nach ihnen gefragt wird. Denn Abteilung Emotionen und Gefühle macht generell nur Probleme, bringt den ganzen Laden durcheinander. Und wir vermeiden explizit den direkten Zugang zu gewissen Gefühlen wie zB Aggressionen.

 

Es ist das eine, in Es-Dur zu versuchen, etwas Gefühlvolles zu spielen. Es ist etwas anderes, die Tonart voller Wut zu zerlegen. Beides aber nötig, anscheinend. Aber Wut stellt man ungern aus. So wie Gefühle generell, dass könnte zu schnell zur Bezeichnung “Frauenversteher” führen. Und ich kenne nur Männer, die dann gerne süffisant grinsen, aber die Bezeichnung so lieber nie tragen wollen. Wir wissen um die Schale, die haben wir studiert, wir wissen, wie sie dicker und wertvoller wird. Das haben wir gelernt, darauf haben wir Noten bekommen. Wir hatten Vorbilder, die uns darin schulten, zu Hause wie auch in den Institutionen. Es war nicht einfach zum Manager zu werden, wir werden nicht mehr darauf verzichten. Und vertiefen uns darin, es so zu tun, wie wir es gelernt haben. Wir schreiben irgendetwas über irgendetwas, managen Blogs und sehen darin eine Herausforderung, sie zu Offset Qualität zu bringen.

Unsicherheit behalten wir für uns. Wir sind noch nicht weit genug, andere Bilder auszuleben. Dafür fehlt uns die Sicherheit bereits fertig gegangener Wege.