Mrz 15 2009

Es muss Frühling sein

Ich schau aus dem Fenster und sehe nur Wolken. Irgendwo muss wohl die Sonne dahinter stecken. Sonne ist ja bekanntlich mächtig, was das Frühlingsgefühl betrifft. Trotzdem wächst Woche für Woche das traurige Gefühl, dass der Frühling schon da sein muss. Emotionen fliegen durch die Luft, es brodelt und vibriert. Und wir sind unglaublich hilflos, was das Ertragen von offenen Fragen, bzw dem Fehlen von Antworten betrifft.

wolken

Es kann helfen, einfach aus dem Fenster auf die Wolken zu schauen… und irgend eine passende Musik im Ohr zu haben. Und sich zB an der Lebendigkeit eines wundervollen Rhodes erfreuen. (An dem Video natürlich auch)

[danke digga]


Mrz 11 2009

wir sind anscheinend noch nicht soweit

Ein Thema, um sich die Finger zu verbrennen.

Es gibt also Menschen auf dieser Welt, in unserer Gesellschaft, mitten unter uns, über die man redet, wenn man über Gewalt, Misshandlung oder Vergewaltigung von Kindern redet. Und diese Menschen schaffen es durch ihre Handlungen enorm viel Emotionen in Menschen zu erzeugen. Es reicht, davon zu hören, und der Magen fängt an, sich zu verkrampfen bis umzustülpen.

Und vorneweg, egal welche Handlung, sie ist zu verurteilen, sie ist widerlich und verachtet Leben, das vieler, weil es am Ende mehr Opfer gibt, als man denkt. Und es ist absolut richtig, diese Menschen zu verurteilen, aber, bitte bitte, in einem demokratischen Verfahren.

So sehr man das herrschende demokratische  Prinzip (was oft wie keines wirkt) hassen mag, an der Stelle der Verurteilung finde ich es eine enorme menschliche Errungenschaft. Denn es macht Sinn, dass sich jemand mit den mindestens zwei Seiten beschäftigt, und wenigstens versucht, ein möglichst “neutrales” Urteil zu fällen. Neutralität immerhin als Anspruch, auch wenn man weiß, dass man ihr nur schwer gerecht werden kann. Wie sollte ein Urteilender frei von dem Einfluss der Gesellschaft sein, in der er lebt. Von Medien bis allen anderen prägenden Institutionen abgesehen, kein Mensch ist alleine, man unterhält sich, so wie ich auch heute.

Ich habe an anderer Stelle einmal geschrieben, dass es schwer verständlich ist, wie das mit dem Strafmaß ist. Und die makabren Erfahrungen eines Freundes im Kopf, bin ich so gar nicht derjenige, der der Meinung ist, dass die “Bestrafung”/Verurteilung von Menschen, die sich an Kindern vergangen haben, in einem guten Verhältnis zu anderen Verurteilungen steht. Es könnte Hohn in den Augen der Opfer sein…

Doch bin ich auch generell nicht ein Freund des Wegsperrsystems. Das hat für mich wahrlich etwas mit Verdrängung zu tun. Was soll es es bringen, Menschen alleine wegzusperren? Was soll es bringen, ausser dass diese Menschen noch verspulter im Kopf werden, als sie es sowieso sind. Einem Menschen mit depressiven Hang würde man ja am Ende auch erst einmal raten, unter die Menschen zu gehen. Und da ja eigentlich so etwas wie “Resozialisierung” oder “Wiedereingliederung in die Gesellschaft” am Ende dabei heraus kommen soll. Weil ein lebenslänglich ist in Deutschland ja auch vergänglich. Wenn wir also einen Menschen wieder zum “funktionierenden Teil unserer Gesellschaft” machen wollen, dann könnte man am Ende mehr tun, als nur wegzusperren… in der Psychatrie ist man immerhin schon ein wenig weiter heutzutage. Man schickt sich an, diesem Auftrag irgendwie nachzukommen.

Bei Menschen, die sich an Kindern vergehen, ja aber, da wollen wir das ja gar nicht. Die soll man doch bitte wegsperren, für immer, schade, dass die Todesstrafe nicht mehr gibt, aber dann sollte man sie immerhin kastrieren. Solche Menschen haben auf jeden Fall kein Recht mehr, unter uns zu leben, überhaupt zu leben.

Das sind Aussagen, die man dann hört. Mit einer absoluten Überzeugung dahinter.

Und es schreit in mir, auch wenn ich bei diesem Thema nicht unbedingt die Gegenseite vertreten will, so muss ich doch vehement widersprechen, weil, verdammt, es nun doch nicht so einfach ist.

Ich verstehe, dass für Eltern das ganze Thema ein unglaublicher Trigger sein muss. Da gehen alle Antennen an und das ist wundervoll so. Das ist ein große Errungenschaft zu früheren Zeiten. Ich bin sehr froh darüber. Die Vorstellung, dass dem eigenen Kind solches widerfahren könnte, ein absoluter Alptraum.

Aufgewachsen in einem pazifistischen Elternhaus, bin ich selbst nur ein einziges Mal mit tätlicher Gewalt in der Familie konfrontiert gewesen. Meine Mutter hatte mir eine gewischt. Soweit ich mich daran erinnern kann, war die Situation gut chaotisch, meine Mutter mit dem kleinen Bruder beschäftigt, weil ich dem am Ende davor weh getan hatte. Wie auch immer, es gab eine Watsche, um wieder ein bisschen Ordnung ins Chaos zu bringen. Hat funktioniert einigermaßen für den Moment, dafür dürfte wohl meine Mutter weitaus mehr Stürme in sich ertragen, mit Scham und Schuld und Erklärungen kämpfen. Es belastete meine Beziehung zur Mutter nicht so sehr, ich hatte das aus dem aktuellen Gedächtnis einigermaßen drängen können, weil ich das Gegenteil auch sofort wieder spüren durfte. Ausserdem konnte ich auf eine “sichere Bindung”, wie man es wohl schimpfen würde, zurückgreifen. Es blieb etwas übrig, verblasste nicht wie andere Kindheitserinnerungen. Was mögen also viele Schläge der eigenen Eltern für Spuren hinterlassen…

Und ich erwähnte bisher nur die Handgreiflichkeit, die psychische und emotionale Kindesmisshandlung ist da noch gar nicht enthalten. Und wenn die Statistik stimmt, dann widerfährt jedem 10. Kind irgend eine Art von Misshandlung. Und das sind dann doch verdammt viele. Das trifft dann nicht nur die Kinder, die gestorben sind, die Extremfälle. Das ist die traurigste Eisbergspitze…

Wenn man also die Spitze verbannen will, warum schiebt man dann nicht den ganzen Berg hinterher? Also jedes 10. Elternpaar könnte dann am Ende weggesperrt, oder kastriert, oder sonstwie verurteilt werden. Das wären dann aber schon einige Menschen, die wir wegsperren müssten, um all das Böse aus unser Gesellschaft zu verbannen. Und wer weiß, am Ende ist “das Böse” dann immer noch nicht weg? (Es könnte aber eine möglich Lösung des Klimaproblems sein, alles menschlich Böse wegzusperren. Der letzte schmeißt den Schlüssel weg. Traumbedingungen für Natur zur Regeneration)

War meine Mutter also vom Bösen besessen, in dem Augenblick, in dem sie mir eine auf die Backe gab? Vermutlich nicht, es gibt dafür sicher eine logische Erklärung, wie es dazu kommen konnte, dass die ganzen wohl erlernten Konfliktbewältigungsstrategien versagten und es einen Impuls für etwas gab. Würde man nun genau nachfragen und nachhaken, woher dieser Impuls kommen könnte, welche Bilder in dem Menschen sind (Erinnerungen, Erlebnisse, Erfahrungen), würde man am Ende vielleicht noch ein wenig besser verstehen, wer oder was dafür verantwortlich sein könnte.

Eine Warnung vorneweg. Das Nachhaken und Fragen könnte unangenehm sein. Man könnte hören, dass man früher selbst so gezüchtigt wurde, und wenn man ein guter Zuhörer ist, hört man vielleicht Geschichten, die man eigentlich nie hätte hören wollen. Da gehen einem Kind aus pazifistischen Elternhaus die Augen und Ohren über, wenn man hört, wie es in anderen Elternhäusern zuging, von Menschen, die alltäglich um einen sind. Wenn dann der Gürtel kommt, dreht sich bei mir auch schon der Magen um…

Man versucht also einen Impuls zu verstehen. Doch irgendwann hören die meisten auf, etwas verstehen zu wollen. Sie verurteilen dann gerne. Und ich würde mich trauen zu behaupten, dass diejenigen, die am heftigsten verurteilen, selbst Opfer waren. Das Täter-Opfer System multipliziert sich gerne weiter, hat man irgendwann mal verstanden, von aussen besehen jedenfalls, nicht von innen, da multipliziert man fleißig.

Um also den netten Teufelskreis zu durchbrechen ist das wohl am häufigsten eingesetzte Mittel: das Verstehen. Nur was man versteht, kann man am Ende auch ändern. So arbeiten die mir bekannten Therapien allesamt. Sie versuchen zu verstehen, etwas zu greifen, um ihm mächtig zu werden. Manchmal ist es nur eine Ahnung, die einen ein wenig mehr verstehen lässt.

Für die meisten Kindesmisshandlungen wird man mit dem Mittel des Verstehens auch relativ weit kommen, dass was wir aber nicht verstehen, weil es sich uns versperrt, dass macht Angst. Und egal ob es um Kindervernachlässigung geht oder schwere Misshandlungen, Inzucht, Vergewaltigungen, es ist schwer, zu verstehen, was einen Menschen dazu bringen kann. Man will es auch nicht verstehen…

An dem Punkt treten wir gerne selbst in einen inneren Konflikt. Das Hinterfragen stößt am Ende an sehr unbewusst vorhandene Ängste oder auch unbewusste Bilder, Phantasien, Vorstellungen. Es ist wohl ein rechter Hammer von Argument, aber es gibt viele Menschen, die das Argument an solchen Punkten anbringen. Und so dumm finde ich es nicht: Eine vollkommen rasierte Vagina ist nicht unbedingt so von der Natur bisher angelegt (Die Fachbiologen kommen nun bestimmt mit, Evolution, Haare gibt es bald gar nicht mehr – ich beziehe mich aber auf die Gegenwart, die haarig ist, im wahrsten Sinne des Wortes!). Aber eine rasierte Vagina kommt dem Erscheinungsbild des kindlichen weiblichen Geschlechtteils durchaus näher, als mit viel Busch darum herum (Und ich will mich damit nicht direkt an der Opfer-Täter Problematik bezüglich dieses Themas beschäftigen – könnte man sicherlich, allein auf der Symbolik Ebene).

Nein, wir leben sicherlich nicht einer Gesellschaft, die ein hohe Kindheitsideal hat. Bestimmt nicht. Und dieser Fakt könnte uns wohl auch so gar nicht beim Verstehen helfen. Aber vielleicht ist es dann doch ein Puzzlestück… und immerhin eines, bei dem sich ein jeder, egal ob Mann oder Frau fragen kann, was er da macht, bzw mit sich machen lässt.

Ich hab keine Kinder, ich muss keine Angst davor haben, was mit ihnen passieren könnte… vielleicht habe ich auch keine Kinder, weil ich am meisten Angst vor mir selbst habe. Ich sage ungern, dass ich es anders machen würde, als meine eigenen Eltern (und ich habe auch nicht sehr viel Grund dazu!), weil ich weiß, dass ich gar nicht anders kann. Ich kann nur um meine Bilder, meine Erfahrungen, meine Erlebnisse wissen, das, was mich prägte. Ich kann wissen, wie meine Konfliktbewältigungsstrategien aussehen. Ich kann, wenn ich mich sehr gut kenne, wissen, wann ich auf mich aufpassen muss, damit nicht etwas passiert, was ich nicht will. Kenne die Alarmzeichen und weiß dann zu handeln. Ich weiß aber nicht um meinen Impuls, ich wurde bisher nicht allzusehr genötigt von Kindern…

Das ist das, was man mit Menschen auch versucht zusammen zu erarbeiten, die mit ihren Impulsen in negativer Art und Weise  Bekanntschaft machen durfte. Daran kann ich kaum etwas Falsches entdecken. Nur unterstützenswert.

Trauriger finde ich, dass es heutzutage wirklich noch die Ansicht gibt, dass irgendwelchen Menschen ihr Lebensrecht per Verurteilung abgesprochen werden kann, Homosexualität eine Krankheit oder ein Gendeffekt ist und man meilenweit von dem Willen des Verstehens entfernt zu sein scheint. Das tut fast schon weh…

Verstehen heißt auch, Nicht-Verstehen akzeptieren zu können, dass es nicht immer eine genaue Antwort oder Erklärung geben muss.

Es bleibt immerhin die Antwort: wir sind anscheinend noch nicht soweit…


Mrz 5 2009

Wut, Trauer, Schuld

In meinem letzten Eintrag ging es um Respekt. Ich erwähnte auch den Respekt vor dem Entschluss eines Menschen, sich das Leben zu nehmen.

Als ich fertig geschrieben hatte, plopte ein Chatfenster auf, in dem der Text stand: “der Koni ist nicht mehr”. Es war spät, 1 Uhr, nebenbei, eine unglaublich typische Zeit für ein aufploppende Nachrichten mit solch einem Inhalt und einem daraus folgenden Gespräch. Und egal, ob man am Telefon oder vor einem Chat sitzt, es fällt beschissen schwer, es zu beenden, vielleicht würde man bei dem Telefon daneben einschlafen, während im Hörer es nur noch rauscht…

Mein Gegenüber war sauer, voll Wut. Bestimmt auch Trauer. Aber zuerst begegnete ich Trauer aus einer Unverständnis heraus. Ich habe viele Fragen aus meinem eigenen Unverständnis heraus gestellt. Fragen, die dazu dienen, es wenigstens zu versuchen, das Geschehene einzusortieren. Ein großer Drang, es sich irgendwie erklären und verstehen zu können. Es muss ja schließlich einen Grund geben…

Man versucht den Weg der Zeichen zu gehen, fragt, ob er in Gesprächen jemals solche Gedanken geäußert hatte, ob sonstige Probleme schon einmal aufgetreten sind. Ob irgendwelche Rauschmittel beteiligt waren (bei Suizid erfolgt zu mindestens immer eine Blutuntersuchung!). Wie es ihm generell davor ging. Ob er in Behandlung war oder nicht, ein kritisches Lebensereignis gerade hinter sich bringen musste, … es gibt viele, sehr viele Fragen, die man stellen könnte, und es gibt vielleicht ein paar Antworten, im Idealfall.

Doch was fängt man dann mit dem Puzzlespiel einer manisch depressiven Person, unklar, inwiefern in Behandlung oder nicht, der eigentlich ganz normal wirkte bei letzten Besuchen und seinem “Entschluss”, sich während des Kochens das Leben zu nehmen?

Was brachte einen Menschen dazu, diesen Schritt zu gehen, den man für sich selbst sehr wahrscheinlich sehr ausschließt?

Vielleicht wird man bei der Suche nach Zeichen auch fündig und fragt sich vielleicht auch, warum man nur die Zeichen nicht früher zu lesen verstand, oder wenn man so ein Gefühl hatte, diesem nicht nachging. Warum man nicht früher “eingeschritten” ist, oder versucht hat, “etwas zu ändern” oder “nicht darüber geredet hat”. Vielleicht entdeckt man eigene Versäumnisse, oder erinnert sich sogar an Gespräche, nach denen man immer so richtig fertig und leer war und ein wenig glücklich, dass sie hinter einem lagen und ein Ende hatten (vielleicht musste man am nächsten Tag arbeiten, oder hatte wichtige Termine). Von dort aus, ist es nicht mehr allzuweit zu einem Schuldgefühl, dass in einem bohrt, sich in einen hineinfrisst und unglaublich davon schmecken lässt, dass Leben verdammt noch einmal vergänglich ist. Es gibt nichts mehr aufzuschieben, man hat etwas verpasst, was man vielleicht nun tun will oder gerne getan hätte.

Gefühle täuschen oft, aber sie stimmen meist. Man bekommt in diesem Zusammenhang oft erzählt, dass man es meist sehr gut fühlen kann, dass suizidale Menschen es einen spüren lassen, ziemlich vehement. Sie wissen auf den richtigen Kanälen zu funken. Es ist nur verdammt schwierig, diese zu “dekodieren”. Diese Gespräche, die so schwer fallen, einen so leer saugen… wo irgendwann der Wunsch zur Flucht kommt… die Gefühle funken schon sehr richtig… und auch ich würde inzwischen all den Menschen zustimmen, die sagen, dass man es fühlt, dass es danach schreit.

Ich hatte einmal Unmengen dieser Gefühle, verstand aber kaum, sie zu dekodieren. Gespräche über Balkone machten mir enorme Angst zu der Zeit, vor allem, wenn ich sie im 4. Stock wusste. Vor allem, wenn derjenige, der darüber redet, emotional kaum mehr zu fassen ist. Ich war einmal in einer solchen Situation sehr glücklich, aus der Wohnung fliehen zu können, das Angstgefühl auf diesen leicht unterschwelligen, pocheneden Faktor zu reduzieren, auch wenn der Alltag damit auch kein Spass war. Es war mir schlicht nicht möglich, einen anderen Ausweg als Flucht aus der Situation vorzustellen. Das Leben wird ja so weiter gehen…

Ich nahm in Kauf, dass ich immer, wenn ich an dem Balkon vorbeifuhr, Bilder in mir hatte, wie Polizei und Feuerwehrautos dort stehen würde… ich hasste diese Bilder, und schob sie auf dem weiteren Weg möglichst weit weg, bis ich wieder daran vorbeifuhr. Eine Nacht hatte ich sogar einen verdammt plastischen Traum davon, der mich klitschnass aufwachen ließ. Und vielleicht ist es Spuk, dass ich an diesem Tag einen Anruf aus einem Krankenhaus erhielt… Es ist schön, weinen zu können, weil jemand lebt…

Wut: ich konnte bisher kaum welche davon erkennen. Ich bin nicht sauer, wegen dem, was es mit Angehörigen oder Freunden macht, sehr wohl in der Ahnung, welch Einschlag es allein in das Leben der Eltern sein muss.

Ich kann das sauer auch schlecht einsortieren, wo es genau einzusortieren ist. Ist man sauer, weil es sich jemand leicht gemacht hat? Ist man sauer, wie auf einen “Feind”, der einem Leid zugeführt hat? Oder ist Wut ein Weg, um klarzukommen?

Ich kann es schlecht nachfühlen, spüre nur die Berechtigung dessen. Ich hatte bisher kaum Wut in mir. Damals nicht, als auch jetzt nicht.

Ich habe auch erfahren, dass es kein einfacher Weg ist, die Entscheidung noch viel weniger. Ich weiß, dass der Mensch ringt, unglaublich, es ist die letzte Möglichkeit der Selbstbestimmung. Und die gestehe ich jedem Mensch zu.

Die Entscheidung ist sehr oft nicht fassbar, es liegt nicht immer ein Brief bereit, der versucht etwas zu erklären. Suizide sind oft wahrscheinlich Impulshandlungen, die am Ende eines längeren Weges stehen. Die können auch sehr plötzlich passieren, das Leben ist zu dem Augenblick voller Trigger. Es reicht das passende Lied im Radio, es reicht, wenn man unter Medikamentation steht, es aus eigenem Beschluss abzusetzen, um ein Feuer von Gefühlen zu durchleben, denen man nicht standhält. Ich bin wahrlich kein Freund von Medikamenten, aber bei Psychopharmaka sollte nur ein ärztlich begleitetes Absetzen in Frage kommen. Weil, ja, die machen verdammt viel mit dem Körper und Kopf. Da fängt dann auf einmal wieder wie wild etwas zu feuern an… was man lieber unter Kontrolle hat. Auch Rauschmittel (Alkohol sehr inkludiert!) können einen wunderbar triggern.

Das sollte man wissen. Und wenn man merkt, dass man nicht mehr so wirklich weiß, dann sollte man zum Telefon greifen, oder direkt zum Krisendienst gehen. Und das ist voll ok und nichts, wovor man sich schämen müsste. Dort kann man reden, es gibt Menschen, die geschult sind, genau solche Gespräche auszuhalten. Die Mitarbeiter haben auch selbst die Chance, Gehörtes zu reflektieren. Das hat die Freundin/der Freund nicht! Es spürt nur das Aussaugende, Angst und Fluchtgedanken. An dem Punkt, sollte man sein gegenüber bei der Hand nehmen, und zusammen zum Krisendienst laufen. Und ruhig auch selbst mit den Menschen dort reden.

Und Wut ist ok, weil es unglaublich viel Schmerz ist, den ein solcher wo möglicher letzter Entschluss erzeugt. Man sollte nur der Trauer die Möglichkeit geben… weil eigentlich ist es unendlich traurig, dass ein Mensch für sich diese Entscheidung getroffen hat, so eingeengt irgendwo war und nichts oder niemand für die nötige Weite sorgen konnte.

Das Loch, den Riss kann keine Antwort jemals kitten… es wird etwas fehlen…