vernünftig reisen

Ein Grund, warum ich vielleicht nicht so gerne fliege: Reisen sind als Weg etwas besonderes. Vor allem ein Prozess. Und es ist schön, wenn man diesen Prozess Schritt für Schritt erfahren darf. Und schon bei einer Bahnfahrt gibt es unendlich viel, was einen davon abhalten könnte, sich ein wenig dem Prozess hinzugeben. Mit einer Pferdekutsche wäre das sicherlich weitaus spannender. Alleine all die Gedanken, die man in sich hätte auf der Reise. Es wäre ein völlig anderes reisen.

So fährt man fünf Stunden ist anderswo. Aus dem Fenster schauend geht das meist nicht so schlecht mit dem Prozess, sich dem Anderen hingebend. Und irgendwie stelle ich mir das mit dem Fliegen auf kurze Distanz durchaus anders vor. Man steht an einem Terminal, ist kurz über den Wolken, landet schon wieder und steht wieder an einem Terminal. Ich bezweifle leicht, dass man auf kurze Distanz einen sinnvollen freien Gedanken schafft. Und in alten Zügen ist das bestimmt auch etwas ganz anderes als in einem neuen ICE. In den Alten sitzt man sich gegenüber, in Abteilen, mit 120 Sachen verändert sich die Welt vor dem Fenster, der Ausschnitt. Sechs Menschen und ein Ausschnitt. Ein ICE ist etwas komplett anderes. Allein wegen der Sitzordnung. Und wegen vielen anderen Dingen. Und vor allem den Menschen darin. Von denen so einige am Ende lieber geflogen wären. Es gibt durchaus auch die, denen man ansieht, dass sie es genießen. Allzu jung sind sie allerdings meist nicht.

Und manchmal passiert es dann, wenn alles langsam genug ist, dass manch ein feiner Gedanke vorbeifliegt. Einer von ihnen betraf die Unvernunft. Ich mag sie sehr. Allzu sehr. So dass es mir nicht einmal gelingt, meinen Mund zu halten, wenn man ihn das ein oder andere Mal doch lieber halten würde. Ganz vernünftige Kinder bringen mich auch immer auf ganz unvernünftige Gedanken. Rülpsen zB. Das muss man einfach können. Und es ist doch oberste Pflicht, es jemanden beizubringen, der dieser genialen Fähigkeit noch nicht begegnet ist. Ich würde das wohl auch meinen Kindern beibringen. Verdammt schnell. Nicht das mein Vater mir zuvor kommt, der sich für all die störenden Geräusche am Tisch damit rächen will unsere Kinder dann zu versauen. Und wenn mir Eltern erzählen, dass ihre Kinder ihr Handy nur drei mal am Tag kurz anhaben, dann muss ich eher grinsen. Ich mag auch durchaus die Menschen für ihre Unvernunft. Die ist anstrengend, aber an sich sehr genial. Das Chaos Element, dass absolut von Nöten ist. 

Nicht das man mich falsch versteht, Vernunft ist schon ok. Aber davon hat man sowieso genug. Und unendlichen Drang danach. Eigentlich so jeder. Dem widerspricht, wenn überhaupt, nur der Drang zur Unvernunft. Und wenn man manchmal Eltern zuhört, dann könnte einem Angst und Bange werden. Die Kinder lernen nicht zu rülpsen, die lernen unglaublich viele Dinge, vernünftige Dinge, sie haben meist einen enormen Anteil an Vernunft. Und das ist bestimmt gut so an sich. Wenn es nicht die Unvernunft geben würde.  

Es sind die “Fehler”, aus denen man lernt, die nachhängen, die man oft ungeschehen machen wollen würde. Die Dinge, die sich so schwer verstehen und greifen lassen. Man kann die Unvernunft sicherlich gut verdrängen, aber sie wird sich umso grotesker zurückmelden. Feigheit zahlt sich an dem Punkt nicht unbedingt aus. 

Letzt endlich ist es nämlich verdammt viel mehr Chaos, als man sich in aller Vernunft zugestehen würde. Und das ist gut so! Ich steh da drauf…

Und das reicht als Erkenntnis für eine Reise, und meine Schlussfolgerung war darüber hinaus, dass ich dann immerhin ein Abschiebekandidat für die unvernünftige Zeit all der vernünftigen Kinder wäre. Chaos bekomme ich gut gehandelt… keine Sorge ;) [und die rollenden Augen bei der Aussage: "Aber bei ihm durften wir rülpsen wie wir wollten" - ein imaginierter Hochgenuss]

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