Feb 27 2009

Respektvolle Mittelmäßigkeit

Es spukt schon länger im Kopf herum, bleibt aber nicht gut greifbar. Es soll nun raus, irgendwie. Etwas über Respekt und Mittelmäßigkeit. 

Es passierte mir schon durchaus, dass ich gefragt wurde, ob ich denn überhaupt (noch) Respekt gegenüber dem Fragenden habe. Im Sinne von Respektieren, vielleicht. Im Sinne von Respekt, vielleicht. Solche Momente bieten nur sehr schwer die Möglichkeit, die Frage zu stellen, was denn überhaupt mit dem Respekt gemeint sein sollte. Was, wie, wenn, wieso oder warum sollte ich respektieren oder am Ende den Respekt verloren haben?

Wikipedia ist schlauer: Respekt (lateinisch respectus „Zurückschauen, Rücksicht, Berücksichtigung“ bzw. respecto „zurücksehen, berücksichtigen“) bezeichnet eine Form der Wertschätzung, Achtung und Ehrerbietung gegenüber einer anderen Person (Respektsperson) oder Institution. Eine Steigerung des Respektes ist die Ehrfurcht, etwa vor einer Gottheit.

Gegenbegriffe sind RespektlosigkeitDisrespekt, gesteigert: Verachtung

(Wiki-Link)

Man beachte: 

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Die Belege würde ich gerne sehen. Vielleicht wird der Eintrag zu “Respekt” ja auch gelöscht, weil es nicht so wirklich belegbar ist. Weil es am Ende eher ein Gefühl ist, oder Ausdruck eines Gefühls?

Ich bin vielleicht respektlos, wenn ich mein Gegenüber anlüge, aber bin ich deshalb ohne Respekt? Oder wie genau lässt sich respektlos Lügen aufdröseln? Wann ist eine Lüge respektlos und wann nicht? Oder ist eine Lüge schon per se respektlos? Respektlos einem selbst gegenüber? Wer weiß…

Wie sehr muss ich mich selbst respektieren und achten um Respekt und Achtung anderen entgegenbringen zu können?

Und wäre nicht die beste Antwort auf die Frage nach dem Respekt die Gegenfrage, ob man denn der Meinung wäre, dass man je respektiert hat.

Ich würde sagen, dass ich durchaus ungemein viel Respekt gegenüber dem Homo Sapiens habe. Und da schließe ich niemanden aus, keinen Menschen, nicht einmal Menschen mit ultrarechter und/oder Menschen feindlicher Haltung. Respekt mindestens so viel, dass ich es achte, dass dieser Mensch immerhin versucht mit sich klar zu kommen und dem, was ihn umgibt. Vielleicht respektiere und achte ich manch Mensch ein wenig mehr, weil sie mich zum staunen gebracht haben, mich lächeln haben lassen, mir Grenzen aufgezeigt, meine, oder die des Lebens, mich interessierten, begleiteten. 

Ich bin auch eher zurückhaltend, was die Einschätzung von Fähigkeiten betrifft. Ich würde nie sagen, dass ich “gut” Klavier spiele, werde das allerdings oft gefragt. Wenn jemand in meinem Alter einfach so Klavier spielt, dann muss er entweder ein Musiker sein oder ist arbeitslos. So ungefähr. Ich habe viel Respekt vor sehr sehr vielen Klavierspielern, die ich je kennenlernen durfte, wir können es gerne auf Musiker generell verallgemeinern. Denn die können am Ende einen Rachmaninow spielen. Oder sonstige heftigere klassische Literatur. Da war ich nie gut drin. Ein Bach für mich eine reine Qual, die Brillianz mir fern. Und Bach und Pedal geht so ziemlich gar nicht zusammen, obwohl, man kann das trainieren ;) . Der Name Czerny erzeugt mir leichte Magengeschwüre. Ich weiß um die Schwächen meiner linken Hand sehr gut. Respekt und Achtung vor denjenigen, die es zu einer absolut unabhängigen aber identischen flinken Handfähigkeit gebracht haben! 

Meine Klavierlehrerin verstand das auch ganz gut mit dem Respekt, weswegen man zusammen den Mittelweg suchte. So was mit Menschen und Musik. Das zeugte von Respekt und Achtung der Musikerklasse. Und in meine Studium war ich stets um Tiefstapelei bemüht. Auch wenn das mit den Quarten und Septenhören wirklich fast nie so wirklich geklappt hat. Man empfahl mir daher auch, in allem Respekt, zu überlegen, ob dass das richtige wäre. Ich verlagerte mich dann mehr auf den menschlichen Faktor, folgte aber instinktiv der Empfehlung des Kritikers.

Menschen mit Computer helfen, tolle Sache das. Und ich kenne auch da Menschen, vor denen ich wirklich verdammt großen Respekt habe. Weil sie ungemein gut im Umgang im Umgang mit diesen Dingern sind. Programmieren tolle Dinge und hacken alles, was ihnen in die Finger kommt. Und aus Achtung und Respekt besudel ich ungern mit meiner stümperhaften Laienarbeit die Gattung dieser fähigen Menschen.

Respekt zwingt einen immerhin ein Stück weit zum Reflektieren.

Und lässt mich urteilen, dass all der Respekt immerhin der Erkenntnis dienlich war, dass es um den Respekt mir gegenüber geht. In gewisser Weise suche ich den. Und ich mache es mir nicht allzu leicht. Denn Respekt vor anderen kann niederschmetternd sein. Wenn man nicht weiß, inwiefern man sich abgrenzen könnte.

Sich von einem Bach abzugrenzen ging relativ einfach. Man musste einfach nur das Notenheft aufschlagen und etwas ganz anderes spielen. Wenn das mit der Brillianz nicht klappt, sollte wenigstens das Pedal möglichst “brilliant” gesetzt sein, oder der Ton möglichst genau so klingen, wie man ihn gefühlt hat. Und ich war schlau genug, die Perfektion nicht zur Berufung zu erheben. Denn mit ihr geht ein wenig das Gefühl, wie ein Ton in einem klingt, verloren. Man arrangiert sich stattdessen in einer respektvollen Mittelmäßigkeit, die man sehr geniesst, weil, man muss es nicht tun, aber man kann es tun. Und ich habe soweit Respekt vor mir, als dass ich es als Gefühlsausdruck betrachte, der technische Fähigkeiten ein wenig zurückstellt, aber mindestens für mich ungemein wertvoll ist. Zu wertvoll, um es zu verlieren. 

Und das mit den Menschen… da ist es nicht viel anders mit dem Respekt. Und wenn man es gefühlt verstanden hat, dass selbst der Freitod zu respektieren ist, steckt man spätestens in tiefen Zweifeln, inwiefern man selbst nicht an diesem Respekt verzweifeln würde oder ihn missachten würde. Ich wüsste nicht, ob ich meinen Anspruch an Respekt in solchen Dingen gerecht werden würde, auf Dauer.

 

Respekt vor Menschen hindert aber eben nicht, Anspruch zu erheben. Und das tue ich sehr wohl. An mich und allein dadurch schon an meine Mitmenschen. Das lässt mich auch gerne einmal vernichtend reden, weil sich Menschen mal wieder so ungemein scheuen, sich dem Anspruch des Respekts zu widmen und es sich wollig warm in ihren Umständen gemacht haben. (Das können zB gerne einmal Lehrer sein, die sich gerne davor drücken, in Respekt mit den Menschen umzugehen.) 

Denn am schärfsten gehe ich immer noch mit mir selbst ins Gericht. Mein Anspruch platziert mich mitten in der respektvollen Mittelmäßigkeit. Und das ist gut so. Erhält den Anspruch. Man kann nicht genug davon haben.

Und sorgte für ein wenig Respekt vor dem eigenen Weg, schließlich ging es stets darum, Respekt etwas gegenüber zu bewahren, was ich für gefühlt sehr wichtig halte, und wenn es ist, wie ein Ton in mir klingt.

Es erahnen zu können, entlohnt ungemein…

 

[In Erinnerung an Koni, der seinen Weg anders beendet hat, als man ihn je zugedacht hätte… nehme den Hut mit all meinen Respekt und voller Traurigkeit]


Feb 12 2009

vernünftig reisen

Ein Grund, warum ich vielleicht nicht so gerne fliege: Reisen sind als Weg etwas besonderes. Vor allem ein Prozess. Und es ist schön, wenn man diesen Prozess Schritt für Schritt erfahren darf. Und schon bei einer Bahnfahrt gibt es unendlich viel, was einen davon abhalten könnte, sich ein wenig dem Prozess hinzugeben. Mit einer Pferdekutsche wäre das sicherlich weitaus spannender. Alleine all die Gedanken, die man in sich hätte auf der Reise. Es wäre ein völlig anderes reisen.

So fährt man fünf Stunden ist anderswo. Aus dem Fenster schauend geht das meist nicht so schlecht mit dem Prozess, sich dem Anderen hingebend. Und irgendwie stelle ich mir das mit dem Fliegen auf kurze Distanz durchaus anders vor. Man steht an einem Terminal, ist kurz über den Wolken, landet schon wieder und steht wieder an einem Terminal. Ich bezweifle leicht, dass man auf kurze Distanz einen sinnvollen freien Gedanken schafft. Und in alten Zügen ist das bestimmt auch etwas ganz anderes als in einem neuen ICE. In den Alten sitzt man sich gegenüber, in Abteilen, mit 120 Sachen verändert sich die Welt vor dem Fenster, der Ausschnitt. Sechs Menschen und ein Ausschnitt. Ein ICE ist etwas komplett anderes. Allein wegen der Sitzordnung. Und wegen vielen anderen Dingen. Und vor allem den Menschen darin. Von denen so einige am Ende lieber geflogen wären. Es gibt durchaus auch die, denen man ansieht, dass sie es genießen. Allzu jung sind sie allerdings meist nicht.

Und manchmal passiert es dann, wenn alles langsam genug ist, dass manch ein feiner Gedanke vorbeifliegt. Einer von ihnen betraf die Unvernunft. Ich mag sie sehr. Allzu sehr. So dass es mir nicht einmal gelingt, meinen Mund zu halten, wenn man ihn das ein oder andere Mal doch lieber halten würde. Ganz vernünftige Kinder bringen mich auch immer auf ganz unvernünftige Gedanken. Rülpsen zB. Das muss man einfach können. Und es ist doch oberste Pflicht, es jemanden beizubringen, der dieser genialen Fähigkeit noch nicht begegnet ist. Ich würde das wohl auch meinen Kindern beibringen. Verdammt schnell. Nicht das mein Vater mir zuvor kommt, der sich für all die störenden Geräusche am Tisch damit rächen will unsere Kinder dann zu versauen. Und wenn mir Eltern erzählen, dass ihre Kinder ihr Handy nur drei mal am Tag kurz anhaben, dann muss ich eher grinsen. Ich mag auch durchaus die Menschen für ihre Unvernunft. Die ist anstrengend, aber an sich sehr genial. Das Chaos Element, dass absolut von Nöten ist. 

Nicht das man mich falsch versteht, Vernunft ist schon ok. Aber davon hat man sowieso genug. Und unendlichen Drang danach. Eigentlich so jeder. Dem widerspricht, wenn überhaupt, nur der Drang zur Unvernunft. Und wenn man manchmal Eltern zuhört, dann könnte einem Angst und Bange werden. Die Kinder lernen nicht zu rülpsen, die lernen unglaublich viele Dinge, vernünftige Dinge, sie haben meist einen enormen Anteil an Vernunft. Und das ist bestimmt gut so an sich. Wenn es nicht die Unvernunft geben würde.  

Es sind die “Fehler”, aus denen man lernt, die nachhängen, die man oft ungeschehen machen wollen würde. Die Dinge, die sich so schwer verstehen und greifen lassen. Man kann die Unvernunft sicherlich gut verdrängen, aber sie wird sich umso grotesker zurückmelden. Feigheit zahlt sich an dem Punkt nicht unbedingt aus. 

Letzt endlich ist es nämlich verdammt viel mehr Chaos, als man sich in aller Vernunft zugestehen würde. Und das ist gut so! Ich steh da drauf…

Und das reicht als Erkenntnis für eine Reise, und meine Schlussfolgerung war darüber hinaus, dass ich dann immerhin ein Abschiebekandidat für die unvernünftige Zeit all der vernünftigen Kinder wäre. Chaos bekomme ich gut gehandelt… keine Sorge ;) [und die rollenden Augen bei der Aussage: "Aber bei ihm durften wir rülpsen wie wir wollten" - ein imaginierter Hochgenuss]


Feb 2 2009

we need more streetpianos…

wow… amazing… ich bin sprachlos… es gibt unendlich geile Ideen auf dieser Welt. Ideen, auf die wäre man in den kühnsten Vorstellungen und Träumen nicht gekommen. Diese hier ist so etwas von fantastisch. No more words… 

http://www.streetpianos.com/

{Nicht das wir uns falsch verstehen. Ich war schon immer für Klaviere an allen möglichen und unmöglichen Orten, zB dem Arbeitsplatz. Das hätte im Vergleich zu einem Kicker unglaubliche Vorteile. Von mir aus auch bei offenen Fenster und so… aber bei all den musiknazis da draussen ;) }

ach ja, ich arbeite noch an dem Konzept des Fernspielens… aber ich sehe da durchaus Möglichkeiten. Es bedarf nur einer schnieken iLife Einführung und dann sollte eine Melodie auf einem Teil vor Ort in Sydney auch kein Problem mehr sein. Ich arbeite daran sozusagen…


Feb 1 2009

Wassertropfen

wassertropfen

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Feb 1 2009

Fließende Gegensätze

fliessender_gegensatz

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