Fieber

Es reichen 37°. Genug um einen schweren Kopf zu haben, der sich anfühlt, als wäre er dick in Watte eingepackt und dabei alles aber zugemacht, was an Öffnungen zum Wahrnehmen der Welt dienen könnte.

Bei über 38° ist eine Bewegung mit den in Watte gepackten Kopf fast schon eine Achterbahnfahrt. Und sobald man sich fertig gedreht hat, eröffnet sich eine komplett andere Welt, alles hört und sieht sich anders an. Die Tür schwimmt so leicht von links und rechts, und was vorher einigermaßen Stereo war ist auf einmal dumpfer Monoklang auf einem Ohr. Und wenn man dann Nachts im Bett liegt und schon keine Position mehr übrig ist, in der Liegen noch eine Entspannung sein könnte, aber die Hitze im Kopf einen wirr macht und das hin und herwälzen mit immer einem neuen Gedankenbild/fetzen einhergeht. Dann weiß man, dass es eine anstrengende Nacht werden wird, die allein gedanklich schon sehr lohnenswert ist, weil die Bilder so unendlich eindrucksvoll vorbeiflitzen. Alles ist einem Fluss, wird wild durcheinander getrieben. Bekannte Menschen erscheinen in ganz anderen Rollen. 

Irgendwann wacht man schweißgebadet auf, wringt das T-Shirt im Bad aus und freut sich darüber, dass noch eine andere Decke da ist. Die Gedankenfetzen, gegangen mit dem Fieber. Der Kopf nur dumpfer Brei.

Das tolle an Fieber ist, es unterliegt dem Unzurechnungsfähig Gebot. Im Fieber kann viel gedacht und viel gesagt werden. Es kann am Ende klarer sein als vieles. Vielleicht eben zu klar… Trotzdem unverhandelbar…

 

Da war neulich ein Montagsinterview in der taz. Es ging um Joghurt. Und den Weg, den so ein Joghurt in seiner Entstehung hinter sich legt. Es gibt auch ein Blog, dass schon älter ist zu dieser Aktion.

Ein Artikel, den ich aufgehoben habe. Nicht unbedingt der Geschichte wegen. Sondern vielmehr dem Part des Interviews, in dem Frau Schwab versuchte, etwas über die Person hinter dem Projekt herauszufinden. Und damit auf eine ziemliche Mauer stieß. Auf einmal ging es um die Beziehung Subjekt<->Produkt. Und dann dieser wundervolle Satz:

“Weil nur ihre Projektion wichtig ist; nicht das, was von mir vorgegeben ist.” 

 

Im Web, vor allem in Blogs geht es äußerst selten um Joghurts. Vielleicht um einen Menschen dahinter. Vielleicht hat der schon Produktcharakter in manch Fällen. Aber vielleicht trifft dann eben folgendes auch nicht mehr so sehr zu:

“Für dieses Projekt ist es irrelevant, wer die Performerin ist”

“Performer” und “Produkt” in einem. Hmmm… das klingt kompliziert eigentlich… und ich frage mich auch, ob eine “Information” einfach für jede Projektion frei sein kann. Oder ob diese Freiheit nicht ebenso ein Konstrukt ist. Ich wäre vorsichtig, es mit dem “Informationen wollen frei sei” gleichzusetzen. 

Ein bisschen wie:

Du spielst immer so melancholisch. (Oder bei fundiertem musikalischen Grundwissen: mollig). Bist du auch mal glücklich?

Mir fällt dann immer nur ClownyClowns ein, ein Kinderlied. Aber eigentlich finde ich das durchaus traurig so in sich. Und Musik die man spielt, hmm… an einem Klavier kann man etwas genauso gut wie an einem Bügelbrett. Gedanken ziellos schweifen lassen. Die Hände machen irgendwas und würde man sich beim Bügeln wie beim Klavierspiel in die Sache hineinsteigern, dann hätte man bestimmt Hemden, die an manchen Stellen durchgebügelt wären und anderen Stellen immer noch knittrige Falten hängen. Man denkt bestimmt an dies und das, aber an nichts so ganz wirklich konkret. Man denkt vielleicht an eine Situation, aber man bleibt in irgendeinem Gefühl hängen, in einer Sehnsucht. Und dazwischen bügelt und spielt man, bzw, man stellt fest, dass man es noch tut und es ist relativ egal, ob es nun Moll oder Dur ist, das ist einfach da und blubbert vor sich hin.

In der Musik ist nicht das Fieber einer Nacht, in der man wild auf und ab geht und mit dem Wahnsinn kämpft und um einen kleinen Sinn ringt und zerfetzt ist von reiner fieser Menschlichkeit anderer. In der Musik ist nicht das Zerbrechen und Verzweifeln, dass Aufgeben und sich innerlich gehen lassen. Das in sich Verkriechen und Zweifeln.

In der Musik ist auch nicht das Lächeln, der Kuss am Morgen, das zusammen gehalten werden, das Glauben und Hoffen. Auch nicht das Grinsen und Schmunzeln, dass singend durch die Gegend fliegen. Nicht das in die Sonne Blinzeln und Dankbarkeit verspüren.

Ausserdem, man kann sich schwer zuhören während man spielt. 

 

Es wäre also vielleicht die beste Antwort:

In der Musik ist immer nur das, was man hört. Und das ist deine Geschichte. Wer sagt, dass es eine rein glückliche sein muss – hast du sie denn genießen können?

 

[Und wer nicht mitkam… das ist wegen dem Fieber!]

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