schnellkochtopf

Es ist kalt draussen. Die Hände sind Eiszapfen nach fünf Minuten sich an einer Zigarette vergnügend. Sie schmecken ausserdem nicht. Es bleibt ein fahler Nachgeschmack von Wunsch nach Wärme die würzig schmeckt.

Im Kopf, brodelnde Hitze. Eingepackt in eine Mütze. Sozusagen der Deckel, damit es nicht überkocht. Winter wird es, wenn überhaupt, im Kopf. Und ich glaube, ich hätte den Frühling über den Winter hinweggetragen, wäre mir nicht der Winter wie ein Donnerschlag im Kopf eingefahren. 

Besser schnell gehen, eingepackt in dicker Jacke, Thermo Grobmotorik. Durch die Strasse walzen mit einem kleinen Durchblick für die Augen. Die Kapuze über der Mütze lässt kein Wind mehr an die Ohren. Sozusagen audiophile Zustände unter einer Haube.

Und die Musik unter der Haube ist so dreckig, wie der kalte Wind, der einem ins Gesicht bläst. Da rumst und knarzt es. Man könnte die ganze Zeit rennen, stampft aber eher vehementen Ganges. Andere Menschen ziehen an einem vorbei, ohne Kopfhörer, ohne Haube, normalen Schrittes. Junge Menschen, ältere Menschen. Manchmal fühlt sich der Gedanke, wie es wohl wäre, wenn alle unter so einer Haube stecken würde, gut schräg an. Wiederum, das sind bestimmt genauso alles heiße Köpfe die da durch die Gegend laufen. Vielleicht haben sie nicht alle so das Gefühl, dass es ihnen den Deckeln gleich abhebt, um mal Frischluft reinzulassen. Es gibt sozusagen ja Kochtöpfe und es gibt Schnellkochtöpfe. Und in dem Sinn fühle ich mich eher als wandelnder Schnellkochtopf. Unter Hochdruck. Es pfeift. Nur wo das Druckablassventil sitzt… warum muss man auch immer die Gebrauchsanleitung verschlampen. Und wo kann man die nachbestellen? Gibt es auch besser Ersatzteile? Es wird Zeit dafür!

Hörst du was da klopft in meinem Kopf?

Und es klopft und pocht auf allen Kanälen. Das fängt frühs mit dem verhassten Wecker an und hört mit dem letzten Gedanken am Tag auf. Dazwischen steckt Getriebenheit. Es ist verdammt viel klar aber auch so verdammt viel unklar. 

Man kann sich immer wieder bei der Frage beobachten, warum Menschen das Leben so verdammt ernst nehmen. Und sie erzählen einem viele viele Gründe, warum man es ernst nehmen sollte. An den Gründen kann man auch nicht zweifeln. Nur an dem Ernst, wenn man feststellt, dass man es am Ende ernster nimmt, als die anderen, und dennoch davon getrieben ist, die Ernsthaftigkeit grundsätzlich anzuzweifeln.

Deswegen:

1. Sollte man sich am Ende wieder ernster nehmen

2. ist das ein hohler Satz

3. sollte 3. gestrichen werden – 1. und 2. reicht manchmal auch aus

 

Und das mit der Getriebenheit: ist kein Ausdruck darüber, wie es einem damit geht. Das ist mehr Ausdruck für ein voll lackiertes Stück Holzbalken. Mindestens zwei Schichten. Wenn man einmal anfängt, sich einzubilden, dass die Farbe weg muss und an irgend einem Ende anfängt sich zu versuchen, dann ist es zu spät, zu spät für jemanden wie mich. Es braucht dann einen Hobel, Schleifmaschinen verschiedenster Art, Feilen und viel Schleifpapier. Es braucht den kleinen Schimmer von Holz, um sich treiben zu lassen und schnell getrieben zu fühlen. Wichtig ist, dass eigentliche Ziel, nirgendwo mehr Farbe zu haben, ist unrealistisch, relativ. Es bräuchte absolute Idealbedingungen, glattes Holz ohne Risse, ohne Winkel und Ecken. Das ist selten so! Also muss man sich in all seiner Getriebenheit irgendwann damit abfinden, dass an der ein oder anderen Stelle noch Farbe sitzt. Man kann bei diesem Punkt der Erkenntnis verzweifeln, oder man kann dem Perfektionsdrang folgen. Beides macht nicht gerade glücklich. Oder man findet sich damit ab, das sich hier und dort Farbe zwischen schönen glatten Flächen befindet. Nichts ist perfekt, bzw so perfekt, wie man es sich wünschen würde…

Getrieben kann man von einem Stück Holz mit Farbe sein, um dessen Natur zu erschleifen. Fragen können allerdings auch treiben und man kann sich durchaus von Fragen getrieben fühlen. Fragen ohne glatte Antwort, Fragen, die jeden Tag wieder eine neue Antwort erhalten könnten. 

Die dicke Schicht Lack auf dem Thema “Liebe – Beziehung – Sexualität” ist eine besonders fiese. Das ist nicht eine Schicht. Das sind etliche. Und das passende Schleifpapier ist auch noch nicht erfunden. Und es gibt unendlich viele Ecken und Kanten. 

Was mich an dem Punkt gerade besonders treibt, ist das “begehrt werden”. Das ist ein großer Topf, dem man den Deckel abhebt, und da brodelt es gewaltig. Weitaus mehr, als ich spontan dachte. Aber eigentlich zu Recht. 

Und ich würde sagen, dass ist der geilste Mechanismus überhaupt. Der schnurrt einfach so fleißig im Hintergrund. Das ist, in Entwickler Sprache, ein absolut geiler background process. Richtig schickes Ding. Ackert 24 Stunden ohne jede Pause. Sogar im Schlaf voll da. Eine ziemliche Black Box jedenfalls, ein Zauberkasten, eine Kasten voller Mechanik, die man nicht sieht. 

Mir reichte schon die Erkenntnis, dass es Verwunderung auslöst, dass das Streben nach begehrt werden nicht so eineindeutig gemeint sein könnte, wie man dachte. DAS löst bei mir unglaubliche Verwunderung aus. Ich frage mich auch, wie das für die meisten Männer sein wird. Am Ende ist es dort schwere Gewissheit. Wäre mein Tipp jedenfalls. Also keine Ahnung… ich weiß ja nicht… mich jedenfalls verwundert die Verwunderung enorm… technisch gesehen wäre ich vielleicht ein Montagsgerät: Der Drang, auf allen Kanälen zu senden/empfangen. [Obwohl, bei nem iPhone finde ich das extrem fein! ;)]

 

Wenn man erstmal ein paar Schichten Lack entfernt hat, dann gibt es kein zurück mehr…

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