Fensterblick

Ich sehe durch Fenster und sehe Leben an mir vorbeibrausen. Ungefähr so, wie im Zug. Wenn man einen Fensterplatz ergattern konnte. Und dann immer wieder einen Punkt anvisiert, ihm mit dem Kopf folgt, bis er hinter einem verschwindet. Es gibt kein zurück, es gibt nur viele weitere mögliche Punkte, die man anvisieren kann. Es gibt eine Notbremse, sicherlich. Aber wann weiss man schon vorher, ob man sie lieber gezogen hätte? 

bahnfahrt feld

Fenster werden auch Brillen genannt. Leben ist eine lange lange Zugreise. Ein stetiges Ankommen und Weiterfahren. 

Ich liebe es, das Innenleben sowie Aussenleben während einer Zugfahrt. Die Flut von Bildern und Eindrücken. Dass am Fenster sitzen und in der Aussenwelt die Innenwelt gespiegelt zu sehen. Ich würde am liebsten immer eine Filmkamera im Kopf haben. Kleine Mikrofilme, die so wundervoll banal und minimal und doch so voll und reich sein könnten. 

Es gibt einen weit entfernten Horizont und während draussen nur Weite vorzufinden ist, kann man innen durchaus auch gedankliche Enge vorfinden. Geordnet auf Sitzbänken, Seite an Seite, Rücken an Rücken. 

Bahnfahrt innen

Ein kleines Lächeln kann da schon die Enge sprengen. Das ratatat hält die Tränen der Melancholie zurück. 

Und trotz Alltag, trotz all dem Ein,- und Aussteigen, bleibt immer wieder die Melancholie, wenn man durch seine Fenster schaut und Punkte zu fixieren versucht. Der Versuch, Flüchtiges festzuhalten.

Das “verdammt”, wenn wieder etwas flüchtig geblieben war, obwohl man sich noch nicht satt gesehen hat.

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