warum ich nie auf die Idee komme, ins Kino zu gehen…

Manche Menschen machen es verdammt regelmäßig. Es gibt ja auch genügend Gründe, es immer wieder zu tun. Soweit ich informiert bin, haut Hollywood und Co. nach wie vor immer mehr Filme raus. Jeden Donnerstag aufs neue das Leben konserviert auf silbernen Glitzerscheiben. Filmrolle gab es irgendwann damals, oder irgendwo, wo die Nostalgie zugeschlagen hat. Karlsson vom Dach habe ich zum Beispiel noch so gesehen. Zwei oder drei mal, wo von einmal die Filmrolle so unglaublich gar nicht mehr funktionieren wollte und jeglicher Tesafilm nicht mehr helfen wollte, die Luft voll angeschmorten Cellophan hing. Da waren dann ein großer bunter Haufen Kinder, der Filmprojektor ein durchaus seltenes Erlebnis. 

Mit den Multiplex Kinos wurde ich irgendwie nie wirklich warm. Ich versuchte sie stets zu vermeiden, ausserdem konnte man in der Meisengeige rauchen. Und die Enge, der Ton, die alten Sitze, der Rauch, die Leere, dieses Kinoerlebnis hatte so unglaublich wenig mit dem Multiplex Erlebnis zu tun. Würde man alleine in einem riesigen Kinosaal sitzen, müsste man am Ende durchaus darüber nachdenken, warum man schon wieder als einziger in diesem Film gelandet ist. An anderen Orten war man erstaunt, wenn noch ein anderer Besucher mit im Kino saß.

Und je länger man die großen Kinos gemieden hat, desto heftiger haut es einen um, wenn man sich dann einmal wieder daran versucht. Irgendwann hat man den Kassen – Bildschirme um einen – viel zu viele Menschen – Marathon hinter sich gebracht. Sitzt brav auf seiner Sitznummer, die man sich am netten Kassencomputer ausgesucht hat. Und dann High Definition Bild und Dolby Digital Superb Sound, alleine von dem Logosound haut es einen um, dass man Angst bekommt, überhaupt lebend aus dem Kino wieder rauszukommen. Am besten Genre Horror oder Action. 

Wenn man sich mit Filmmusik ein klein wenig beschäftigt, erfährt man interessante Dinge, die durchaus im Selbsttest dann perfekt studiert werden können. Ich bin jedenfalls auf dem Film gespannt, der innerhalb von 30 Sekunden feuchte Händen, hohen Herzschlag und wild wuselnde Neurotransmitter erzeugen kann, ohne jeglichen Ton zu verwenden. Und wenn man sich wohl ein wenig zu viel mit Filmmusik/geräuschen beschäftigt hat, wird es wohl schwer mit dem Kinoerlebnis. Und meine Tatort Erlebnisse verzeichne ich seitdem auch als definitiv grauenvoll, man möge mir das verzeihen, und ich hatte bestimmt nur die schlechten Folgen erwischt, jaja. Man ist dann auch ein wenig stolz, wenn die Musik sehr auf die Tränendrüse drückt und man feststellen kann, dass der Meister aber schon ganz platt gearbeitet hat. Nur in diesen großen Kinos ist das ein Ding der Unmöglichkeit. Ich möchte keinen Film wie Crank an einem solchen Ort sehen. Ich würde wahrscheinlich klitschnass aus dem Kino wankend laufen. Zu viel Adrenalin kann nicht gut sein. Und die Lautstärke ebenso nicht. Ich versteh aus der Perspektive auch nicht diese ganze 3D, Wackel Stühle Sache. Dafür bin ich wohl schon zu alt obwohl noch einigermaßen jung. 

Und warum sollte man ins Kino gehen, wenn man Musik hat?

Man mache sie an, irgendein Stück, ganz egal, vielleicht sucht man sich lieber eines aus, mit dem man gerade gut kann. Im Endeffekt ist jedes Lied ein kleiner Film, nur kann am Ende ein Lied sogar mehr als ein Film sein. Gedankenkino funktioniert mit Musik meistens ungemein besser. Und die Bilder sind nicht 3D, die sind sozusagen 4D, Highest Definition sozusagen. Und es kommt nicht auf die Dreistheit des Regisseurs an, sondern es zählt vielmehr die eigene Dreistheit und Freiheit, die man sich nehmen kann.

In dem Sinn habe ich mehr als genug Kino. Ich würde das fast ein dauerhaftes Erlebnis nennen. Der unendliche Film sozusagen. So schlecht ist er auch nicht. Hat schon was. Auch wenn er ganz schön verzwickt ist. So ein Film der Kategorie ??? beim Verlassen des Kinos. Und ich muss auch einmal feststellen, dass der Film mitunter die beste Filmmusik hat, die ich bisher mitbekommen habe. Sie passt einfach ungemein, sie ist, als hätte ich sie ausgesucht.

Es gibt ganz bestimmt viele feine Filme, ganz bestimmt auch unglaublich viel fantastische Filmmusik. Ich könnte etliche Beispiele aufführen. Erwähnt werden soll an dieser Stelle wenn dann nur “Unfaithful”. Nicht weil die Musik so unglaublich ist. Die Musik dazu hatte ich sehr sehr lange, bis ich irgendwann zu dem Film kam. Und ich war schwer überrascht. Mein Kopfkino war sehr facettenreich zu der Musik, ich hatte sie eine ganze Zeit lang immer wieder gehört. Mit der Reihenfolge verhält es sich am Ende wie mit Büchern und Filmen. Besser man hat das Kopfkino davor wahrscheinlich… 

Ich glaube nur, dass man einen verdammt großen Fehler begeht, wenn immer mehr Filme entweder mit reinen “Soundtracks” auskommen oder einen “Score” aufweisen können, der aber komplett im Computer erzeugt wurde. Eine Orchesteraufnahme haben inzwischen meist nur noch die ganz großen Produktionen. Und das muss nicht immer unbedingt die spannendste sein. Soundtracks zu kaufen ist daher eine Schande, sich einen Score zu holen durchaus lobenswert. 

Und so etwas wie shortfilmlivemusic ein Traum. Da kann man dann auch mal die Augen zumachen, und einfach der Musik nachhängen. 

Das schöne an (Film)Musik ist nämlich, ohne das Bild löst sich der Funktionsanspruch der Musik ein wenig. Es kommt auf das eigene Bild an, wie man selbst funktioniert. Das finde ich weitaus spannender, als einfach nur zu funktionieren, mit Schweiß, Adrenalin und einer schnellen Atmung. Aber für viele ist das wohl wie mit Musik generell. Ein Box muss drücken und reinhauen. Multiplexkino im Ohr eben. 

Und wenn man dann 300 € für ein Kopfhörer ausgeben will, wird man verdammt komisch angeschaut. Und man sollte erst gar nicht versuchen zu erklären, dass das dann 3D mit Wackelstuhl, HD und dickest Dolby im Ohr ist, nur halt ganz klein und trotzdem ganz groß. Unendliches Kopfkino, viele viele kleine Filmchen. Und wenn sie die Kopfhörer probieren würden, würden sie wohl sagen, dass da der Bass fehlt und ob die nicht lauter gehen.

Warum ich also nicht ins Kino gehe ist eigentlich ganz einfach zusammengefasst: bis ich auf die Idee dazu überhaupt kommen würde, könnte ich ja noch diesen Song anhören, oder jenen, mal kurz einen kleinen Film nachhängen…

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