ich würde sie schon gerne einmal verstehen…

… aber ich bezweifle, dass es jemals dazu kommen wird.

Paradoxien sind vielleicht auch nicht dazu geschaffen, sie gedanklich zu durchdringen. Trotzdem liebe ich sie, arbeite mich allzu gern an ihnen ab. Lass mich von ihnen locken und einnehmen. Vielleicht weiß der ein oder andere auch darum. Vielleicht bekommt man deshalb immer wieder erzählten Nachschub. Und eigentlich finde ich das gar nicht so schlimm, auch nicht extrem belastend. Ich würde es eben nur gerne einmal verstehen, so gefühlt verstehen, warum dieser Drang zur Paradoxie so unglaublich in uns hämmert. 

Und als ich neulich mit jemanden kurz die Ebene wechselte und mir in Sorge gesagt wurde, dass man schon seine Bedenken hat, was das Erzählte so mit mir eigentlich macht, da fühlte ich mich vorrangig an meine Mutter erinnert, die durchaus des öfteren schon mein Frauenbild angezweifelt hat. Also nicht das, was ich am Ende habe, sondern dass, was ich haben könnte. Was meine Mutter von mir denkt, was mein Frauenbild sein könnte. Sozusagen ihre Konstruktion meines Frauenbildes. Sozusagen ihr Bild, ihr Schluss, der sich aus ihren Paradoxien ergibt. Jedes Mal, wenn sie das sagte, hatte ich das Gefühl, als müsste dieses Bild ungemein negativ sein. Doch irgendwie wollte das nicht ganz genau mit meinem so selbst empfundenen Frauenbild einher gehen. Also ich fragte mich danach oft genug, ob mein Frauenbild wirklich so schlecht wäre. Oder warum dieser negative Eindruck so entstehen hat können. Aber vielleicht hat es viel mehr mit den empfundenen Paradoxien der jeweiligen Person zu tun. Und dem nötigen Erklärungsversuch dazu. Am Ende lebt es sich einfacher damit, dem Sohn ein negatives Frauenbild unterzuschieben, weil das besser zu dem Erklärungsmodell der Paradoxien passt. So ganz verstehen, warum sich der Sohnemann (jawohl, das ist ein tolles Wort – wie schräg ist das eigentlich – da darf man ja gar nicht drüber nachdenken) DAS so gibt, dass geht irgendwie nicht. Da hören die Antworten wahrscheinlich erst einmal auf. Vielleicht fangen sie beim Sadismus wieder an, aber ich unterstelle an dem Punkt die höhere Wahrscheinlichkeit der Verdrängung allein eines solchen Gedankens. Und im Resultat kommt ein Frauenbild zustande, mit dem man dann konfrontiert wird.

Der Unterschied zu meiner Mutter in diesem Gespräch war jedoch, dass meine Mutter es meist ohne gemeinsamen Kontext feststellt. In dem Gespräch jedoch wurde davon ausgegangen, dass das Erzählte etwas mit mir macht, das Negative leicht mitschwingend.

 

schattenspiel

Vorne weg: Die schönsten Paradoxien sind Frauen.

Unübertreffbar, für mich, warum auch immer. Die Gründe dafür werden definitiv unterschiedlich sein. Vielleicht hat das was mit den Freundschaftsbändchen zu tun, und dem Häckeln und all dem Zeug, was in der Schule unter Jungs verdammt verpönt war. Ich machte gerne das ganze Zeug, ellenlange Stoffwürste mit dieser Strickliesl. Whatever. Ich ging auch gerne in die Mädchengruppe als kleiner Steppke. Das hat man mir zu mindestens irgendwann in der Pubertät dann fies gesteckt, damals war die “Jugendschar” (auch das ein toller Begriff im christlichen Kontext, brrrrrrr) für mich einfach nicht soo der Renner. Die spielten Fussball, Tischtennis oder saßen langweilig herum. Die Mädchen hatten immer optimales Beschäftigungsprogramm für mich. Strickliesl ist ausserdem unglaublich meditativ, wie Bügeln. Mach ich auch gerne. 

Dass Junge zur Jugendschar zu gehen hat, dass hatte ich irgendwann begriffen. Das mit den Autos schon weniger. Umso mehr lernte ich aber durchaus die Brüste und diese Art Weiblichkeit zu schätzen. Freundschaftsbändchen hätte ich am Ende auch mit Jungs machen können, aber ging eben nicht. Und es mag sein, dass man sich mit Männern einfacher verstehen und unterhalten kann. Aber das hört auch schon einigermaßen schnell auf, wenn man bei Autos und Alkohol nicht mitreden kann. Manche Menschen stellen Statistiken darüber auf, wie viele Tage seines Lebens man sich mit roten Ampeln abgibt. Ich wüsste gerne mal die Statistik gleichgeschlechtlichen Unterhaltungen im Vergleich zum Gegenteil (man gebe mir das Wort dafür!). Ich führe kein Buch. Aber ich wüsste meine Tortenverteilung.

Warum auch immer, ich habe bisher wenige Männer gefunden, mit denen ich im gleichen Maße das teilen kann, was ich mit so einigen Frauen teilen kann. Gute Gespräche, Gespräche mit vielen Fragen und wenigen Antworten. Und das muss vielleicht nicht an den Frauen liegen, vielleicht liegt das nur an meiner Unlust über Autos zu reden und der Müdigkeit, mit gleichen Elan Gespräche mit Männern zu suchen. Und es fällt mir irgendwie einfacher, Männern zu verstehen. Also so als Person, so als Konstrukteure ihres Lebens. Da wird der Ball meist eher flach gehalten, gutes deutsche Spiel eben, kämpfen, so lange bis der Gegner nicht mehr kann. Ich versteh ihre Probleme und wie sie darüber denken, ich verstehe ihren Frust und ihre Lust. Ich verstehe durchaus auch die Derbheit. Ich mag das durchaus an Männern. Aber Mann möge mir verzeihen, wenn mir der Ball zu flach ist, ich hab das noch nie gekonnt. Wenn ich auf einen Ball getreten habe ist er immer irgendwo hin geflogen. Ich bin da einfach zu sehr vom Chaos Element beeinflusst. Und irgendwie fühlt sich das bei den Frauen doch wohler. Frauen sind im positiven Sinne Chaos. 

Chaos, dass ich nie so ganz greifen kann und begriffen bekomme. Frauen, als Konstrukteure ihres Lebens bleiben mir immer ein wenig unverständlich. Ich verstehe durchaus auch ihren Frust und ihre Lust, aber ich verstehe ihre Antworten nicht, die sie als Lösungen auf die Fragen in sich finden. Das bleibt mir immer wieder ein Rätsel. Das schmälert aber in keiner Weise meine Achtung an diesem Punkt. Das ist kein gutes deutsches flaches Fussballspiel, Frauen würden in dem Sinn wohl “kreativer” spielen. Warum den Ball flach halten, wenn man ihn auch hoch spielen könnte? Es sind andere Wege, die gegangen werden, nicht unbedingt die geraden, die dann doch nicht zum Ziel führen. Es sind auch die Umwege, auf die es ankommen könnte.

Es ist kein negatives Bild, ich kann zu mindestens wenig negatives darin an sich entdecken. Es ist oft eher ein trauriges Bild. Traurig, weil das Zusammentreffen von Konstrukteuren verschiedener Geschlechter oft sehr heftig einschlägt. Und mir läge es fern, die Männer da aus der Verantwortung zu nehmen. Ich glaube, da sind wir unglaublich hinterher und verroht.

Ich meine, ich tippe auf einem Computer, den zum größten Teil Männer erschaffen haben. Der Anteil an Weiblichkeit darin ist wahrscheinlich verschwindend gering (an dem Punkt: Mac OS X ist definitiv das weiblichere System!). Wie würde ein Computersystem funktionieren, dass über Jahre hinweg von Frauen entwickelt worden wäre? (Und an dem Punkt bekommt nämlich auch der Blondinnen Witz mit dem TippEx seine Berechtigung -> Touch Technologie ist definitiv die Zukunft, das wusste die Blondine schon vor 10-20 Jahren.) Umgeben von männlicher Logik…

Und wie viele Babys wären auf die Welt gekommen, wenn das Wort des Mannes nicht so viel Gewicht hätte? Wie viele Frauen würden sich grob behandeln lassen, obwohl sie das an sich nicht wollen, weil sie unfähig sind, eine andere Grenze zu ziehen, als die Innere? Wie viele Beziehungen würden so nicht geführt werden, wenn nichts als die sogenannte Liebe dafür nötig wäre, kein Geld, keine Achtung, keine Sicherheit, keine Angst,… ?

Und richtig, nach Frauen kommen Beziehungen auf der Liste der schönsten Paradoxien. Aber das gibt sich ja irgendwie die Hand…

Ich habe Achtung vor Dingen, die ich nicht verstehe, die mir verschlossen bleiben, die mich allein dadurch inspirieren. Für sie würde ich mich unendlich reiben. Und genau darin mag vielleicht auch mein Sadismus liegen. Das was ich am meisten an Frauen hassen könnte, wäre wenn dann meine Beschränktheit. Ich hüte mich also vor einem negativen Bild. Und genieße weiterhin einfach jede Sekunde, die ich mich all den Paradoxien widmen kann. Das wird bestimmt noch ein paar Desaster geben, ganz sicherlich.

Ich bin dann doch leider nur ein Mann ;)

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