AugenBlicke

[Man möge mir verzeihen, wenn ich diesen leicht belegten Begriff benutze. Ich komme einfach auf keinen anderen, der es in einer ähnlichen Weise treffen könnte. Ich weiß, ich entwerte ihn damit ein Stück weit durch die Allgemeinheit, doch dass ist er wert, er ist einfach zu wunderschön, um ihn zu verheimlichen. Und er bleibt einzigartig für jede einzelne Benutzung, wie das, was er versucht zu beschrieben eben!]

 

AugenBlicke, dass sind jene Momente, die so unglaublich wertvoll sind. Das sind die, die sich so schlecht vergessen oder verdrängen lassen, die sich gerne in Gedanken festsetzen und dort so lange verweilen, bis der nächste AugenBlick einen aufs neue einnimmt.

Es gibt wenige AugenBlicke, die man ganz für sich alleine erleben darf. Wahrscheinlich ist man fast nie wirklich alleine, sondern dann mit der Natur, oder einem Gedanken an jemanden, was auch immer. Ich glaube eher, die Magie des AugenBlickes entsteht vielmehr durch mindestens zwei Personen, und zwischen zwei Personen immer noch am schnellsten. 

Und das tolle daran ist, dass es für mich meist nicht der Worte bedarf, sondern AugenBlicke so gänzlich einer ganz anderen Kommunikation entspringen, meistens zu mindestens. Es hat irgendwie viel mit dem “Blick” zu tun, bzw. dem Bild, dass ein Blick erzeugt. Ein AugenBlick ist unglaublich vergänglich, ja gerade seine Bedeutung liegt in der absoluten Vergänglichkeit, der kurzen Verweildauer, dem Entstehen lassen von etwas, was vielleicht in der sogenannten Realität nicht wirklich Bestand haben könnte. Eine Konstruktion vielleicht. 

Nehmen wir eine S-Bahn Fahrt. Der Waggon ist überfüllt, überall sitzen und stehen Menschen. Es sind viel zu viele, um sich ein Bild von ihnen allen zu machen. Es ist zwingend anonym. Und mittendrin in dieser Anonymität steht jemand auf, nimmt seine Tasche und schaut einem beim Aussteigen in die Augen, geht für einen winzigen AugenBlick aus der Anonymität heraus in einen Kontakt. Vielleicht hat er oder sie dabei gelächelt, vielleicht auch nicht. Ein Lächeln wird länger in Erinnerung bleiben.

Der S-Bahn Waggon könnte aber auch relativ leer sein, und man setzt sich beim Einsteigen gegenüber einer Frau und fängt an Zeitung zu lesen. Irgendwann treffen sich die Augen und für einen kurzen AugenBlick bleibt die Zeit stehen oder vergeht verdammt langsam. Es sind oft Geschichten, Filme, die in diesen wenigen Sekunden abspielen. Kurz darauf muss einer aussteigen. 

Oder man läuft auf der Straße entlang. Mit Kindern lassen sich nebenbei bemerkt unglaublich tolle AugenBlicke verbringen. Kinder kennen keinen Verhaltenscodex, sie wissen noch nicht, dass man sich idealer Weiße nicht viel länger als nötig anschaut, weil das am Ende zu einem Problem führen könnte. Kinder geben sich einfach dem AugenBlick hin, relativ bedingungslos, bis die Eltern einschreiten (“Lass den Mann mal in Ruhe”). Kinder haben meist einfach noch weitaus mehr Sinn für AugenBlicke.

Denn sich auf AugenBlicke einzulassen, kann man unglaublich einfach verlernen, bzw sich dagegen versperren. 

Mein Bruder erzählte mir einmal eine Lebensweisheit eines alten Spanier. Der behauptete, dass das mit der Liebe gar nicht so schwer ist, er verliebt sich ja schließlich fast jeden Tag mindestens dreimal. Und irgendwie hat dieser Spanier schon Recht. Denn AugenBlicke sind meist voll Liebe. 

 

Irgend ein toller Marketing Mensch muss wohl ähnlichen Gedankengang gehabt haben, und hat ihn erfolgreich der BVG angedreht. Das nennt sich dann “Meine Augenblicke” (man beachte den Plural!). Das Traurige an so etwas ist eigentlich nur, dass der AugenBlick auf diese Weise nicht mehr AugenBlick bleibt. Und wenn ich mir das noch ein wenig weit ausmale, wird es sicherlich irgendwann die ultimative Lösung dafür geben, also rein technisch gesehen gibt es das ja schon. Dann wird einfach in seinem Handy einer jeder in Reichweite mitgeloggt. Oder RFID Chip könnte da ja auch mal ein netter Ansatz sein. Dann kann ich gleich aus dem AugenBlick heraus mir eine Abfuhr abholen. An das Lächeln des AugenBlickes werde ich mich dann wohl weniger erinnern. Das wäre dann der Fall, dass man uns erzählt, dass Technik die ultimative Lösung für ein Problem hat, dass eigentlich nie eines war. 

Und an dem Punkt kann ich auch immer wieder feststellen, wie unglaublich deutsch ich bin. Ich mein, das englische Wort, dass entsprechend bezaubernd schon klingt, hab ich nicht entdecken können. Und wir Deutsche haben ja alle kollektiv einen Stock im Arsch, aber immerhin gibt es dadurch unglaublich viele nonverbale Kommunikation. Und es gibt AugenBlicke, da mag mir das richtig gefallen, da würde jedes Wort nur allzu viel zerstören.

Ich liebe ja gedankliche Beschäftigung und AugenBlicke sind die effektivste Form der gedanklichen Anreicherung… nur manchmal… da nervt es wirklich, wenn man am liebsten sofort jene Person wirklich gerne angesprochen hätte, aber es irgendwie nicht hinbekommen hat, da wird der Augenblick irgendwann zur Qual ;)

 

One thought on “AugenBlicke

  • Sanne sagt:

    sanne comment

    also dieser escape scheiss ist in diesem fall böse… es gibt aber immer wege ;)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>