Lars Danielsson & Leszek Mozdzer iTunes Live Festival Berlin

Ich verstehe nicht ganz, warum gerade “Hanan” vorab spielte. Nichts gegen ihn, aber irgendwie wollte er nicht so ganz zum anderen Part des Abends passen. Eine wirklich angenehme Stimme. Und auch eine wundervolle Vielfalt an Gitarren, durchaus. Das Covern hat er nicht nötig meiner Ansicht nach. Ein bisschen mehr drive würde dann aber doch ab und an nicht schaden, sonst hat es doch zu sehr den Hang ein wenig arg weich zu sein. Und wirklich erkennen, was er mit seinen Gitarren noch so alles anstellen kann, konnte man leider nicht so ganz. Es erschien noch ein wenig zaghaft ;) … aber das sei ihm für seinen ersten wirklichen Auftritt verziehen. Also ich hätte aus einer Gitarre da vorne keinen vernünftigen Ton herausbekommen. Und das mit dem Klavier… nicht bei dem Programm danach, just an idea.

Hanan 1Hanan 2

 

Also zum Hauptpart, Lars Danielsson (Schweden) & Leszek Mozdzer (Polen).
Ein Kontrabass und ein Flügel. 

Es gab keinen einzigen Augenblick, in dem ich etwas vermisste, die treibende Kraft eines Schlagzeugs, oder eine Gitarre. Nein, das war genau richtig so, perfekt. Die beiden kommunizierten unglaublich miteinander. Das Timing war fast 100 % perfekt. Sie spielten einfach miteinander, sehr intensiv im Bezug aufeinander. Das war wirklich wundervoll, unglaublich viele Stimmungen und immer wieder das Zurückfinden zu den schwungvollen Bögen des Basses. Meiner Begleitung war das zwar immer noch zu “frei”, aber für mich war das gnadenlos perfekt. Immer wieder wurde ein Bezug hergestellt, nie wurde man wirr im freien Raum entlassen. Das ganze Konzert war ein großer Bogen, mit sehr vielen feinen Nuancen und Stimmungen und doch einem durchwegs immer vorhandenen Charakter. Zeit sich gedanklich gehen zu lassen und kurz zu träumen, und doch wieder ohne Probleme zurück zu finden.

Und beide sind unglaubliche Virtuosen an ihren Instrumenten. Unglaublich, wie Danielsson seinen Bass bearbeitete, unglaublich stark und klar im Ausdruck. Ich war schwer beeindruckt, selten so einen Bass erlebt, der so eine große Rolle einnahm. Und Mozdzer am Flügel, sehr klar und brilliant im Anschlag, flink, verspielt. Und sehr eigen, experimentiert viel mit dem Instrument, Handtuch auf den Seiten, oder ein Glas (geiler Sound, wirklich!). Aber in keiner Weise übertrieben und abgehoben, sondern immer auf die Passung zur Musik bedacht. Hat mir sehr gefallen, wie sie mit experimentellen Elementen umgingen. Sie waren einfach selbstverständlich. Und beide wirklich unglaublich virtuos.  

Ein leicht undankbares Publikum, es war wirklich ungewöhnlich sehr laut für eine Jazzveranstaltung. Aber trotzdem voller Begeisterung. Es regnete, und das Radialsystem steuerte seine eigene Akustik bei. Passte aber irgendwie. 

An sich hat das Duo ihre Platte “Pasodoble” vorgestellt.
Ich kann sie nur empfehlen, sie läuft schon seit einiger Zeit hier und stiftet angenehm gespannte Ruhe.

Und wenn sie in eurer Stadt sein sollten, schaut sie euch an, wenn ihr Jazz nicht ganz abgeneigt seid.

Das mit den Bildern wollte irgendwie nicht, Pianisten sind auch von hinten höchst unspannend.
 

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